♥Oration♥ Herr Jesus Christus, Du hast die selige Jungfrau Imelda mit brennender Sehnsucht nach dem Gastmahl Deiner Liebe erfüllt und ihr eine Heimat im Himmel bereitet. Auf ihre Fürsprache hin lass uns mit der selben Liebesglut Deinem Tisch nahen, damit in uns das Verlangen wachse, ganz bei Dir zu sein, der Du in der Einheit des Heiligen Geistes mit Gott, dem Vater, lebst und herrschest in alle Ewigkeit.
Buch einer Dominikanerin aus dem Kloster Prouille in Frankreich über die selige Jungfrau Imelda Lambertini PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 10. März 2015 um 19:33 Uhr

Die selige Imelda Lambertini,

Jungfrau, aus dem Orden des hl. Dominikus,

Schutzpatronin der Erstkommunikanten.

1322 - 1333

Verfasst von einer Dominikanerin aus dem Kloster Prouille (Südfrankreich)
Freie, autorisierte Übersetzung

Ein Lebensbild, zunächst der lieben Schujugend gewidmet.
Mit 10 Abbildungen und einem Anhang.

Mit kirchlicher Druckbewilligung

Münster in Westfalen.
Verlang der Alphonsus- Buchhandlung
(A. Ostendorff)
1906

 

Vorwort

Es gab eine Zeit, wo die Lebensbeschreibung der seligen Imelda das Entzücken junger Hochschüler ausmachte, wo diese in lateinischen und griechischen Hymnen das gottbegnadete Kind besangen und angesehene Doktoren sich eine Freude daraus machten, ihm ihre gelehrten Werke zu widmen. Es war eine Zeit, in der nicht so viel gedichtet und über Poesie geschrieben wurde wie heutzutage, wo aber das Wesen der Poesie noch mehr galt als ihre Technik. Darum fehlte auch nicht das feine Empfinden dafür, wenn die Künstlerhand Gottes sich wieder einmal darin gefiel, ein Bild zu schaffen, in dem sich die ganze Anmut der Kindheit mit der Weisheit des reifern Alters verband, und dieses Bild mit einem fast unerhörten Wunderglanze zu umgeben.
Heute leben wir aber in einer hyperkritischen urprosaischen Welt, "Wahrheit, nicht Legende!" heißt ihr Losungswort. Gewiß ist nichts berechtigter, nichts menschenwürdiger, als der Drang nach Wahrheit. Man vergesse aber nicht, daß derselbe gerade da aufhört, wo die Sucht zu negieren anfängt. Denn die Wahrheitsliebe hat gleich der Wahrheit selbst zunächst eine positive Seite. Ein systematisches Wegleugnen alles dessen, was dem Gebiete des Übernatürlichen angehört, ist somit der Wahrheit ebenso entgegengesetzt, als es eine leichtsinnige, unbegründete Annahme desselben sein würde.
Unsere Zeit fragt viel nach Dokumenten, aber auch da hat es den Anschein, als ob es ihr mehr darum zu tun wäre, zu leugnen, als zu erforschen. Man weiß nur zu gut, wie ungeniert sie oft mit historischen Aktenstücken verfährt. Mit den Schlagwörtern: Tendenzgeschichte, Mittelalter, Aberglauben, Treppenwitz ("Treppenwitz der Geschichte" soll u.a. auch das durch authentische Prozeßakten erwiesene Faktum der Jungfrau von Orleans sein!!)) wird alles eliminiert, was ihrer glaubenslosen Weltanschauung widerspricht.
Wer deshalb eine so duftige und poesievolle Blüte wie das Leben der seligen Imelda in deutsche Gauen verpflanzen will, sieht sich unwillkürlich nach einem grünen Plätzchen um. Diese Oase findet er aber nur im Kreise derjenigen, denen das Wort des göttlichen Heilandes gilt: "Ich danke Dir, Vater, daß Du dieses vor den Weisen der Welt verborgen, den Kleinen aber geoffenbaret hast" (Matth. 11.25).

Den Kindern also ist dies Büchlein gewidmet. Und weil ich zu den Kindern komme, habe ich mich nicht mit kritischen und historischen Beweisen beladen wollen. Ich habe ihnen einfach die Tatsache geboten, wie sie ist, ohne die Kleinen mit Belegen zu ermüden, deren Grund und Tragweite sie doch nicht erfassen können.

Wer sich für letztere interessiert - das Büchlein könnte ja auch Erwachsenen in die Hände fallen - den verweise ich nebst dem französischen Original auf die 1827 zu Rom bei Salviucci erschienene "Memoria della vita della B. Imelda Lambertini", die eine bedeutende Anzahl Quellen zitiert.

Die Anregung zu dieser Übersetzung ging vom hochw. P. Pius Maria Bazan Ord. Praed. zu Wien aus. Im Andenken an das Rundschreiben Leo XIII. über das heiligste Altarsakrament und von der Überzeugung geleitet, daß die Liebe und Verehrung zu diesem erhabenen Geheimnisse unseres Glaubens nicht früh genug ins menschliche Herz gepflanzt werden kann, hoffte er im Leben der seligen Imelda ein wirksames Mittel gefunden zu haben, um die Kinder für die hl. Eucharistie zu begeistern.
Gleichzeitig sollten die Kleinen auch mit der lieblichen Heiligen bekannt werden, welche der heil. Stuhl zur Patronin der Erstkommunikanten ernannt hat, und von ihrem Beispiele lernen, sich mit möglichstem Eifer auf den schönsten Tag ihres Lebens vorzubereiten.
Möge der hl. Geist, von dem alle guten und heiligen Gedanken herrühren, diese doppelte Absicht verwirklichen!

Die Übersetzerin

 

 

I. Warum dieses Büchlein geschrieben wurde

Kurze Zeit nach der Gründung seines Ordens, so erzählt eine alte Legende, wurde dem heiligen Dominikus eine außerordentliche Gnade zuteil. Da er seiner Gewohnheit gemäß wieder einmal die Nacht im Gebete zubrachte, ward er im Geiste entzückt und schaute die Herrlichkeit des Himmels. Vor seinem Blicke erschien der Herr inmitten seiner Auserwählten in jenem Glanze und jener Seligkeit, die gewöhnlich den Sterblichen verborgen bleiben, weshalb der Apostel geschrieben hat: "Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es vernommen und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben."
Außer sich vor Freude betrachtete der Heilige anfangs dieses göttliche Schauspiel, bis er plötzlich bitterlich zu weinen begann. In tiefster Betrübnis warf er sich vor dem Throne Gottes nieder. Der Heiland aber niegte sich zu seinem treuen Diener mit der Frage: "Dominikus, mein teurer Sohn, warum weinst du also?"
"Ach, Herr," entgegnete der Heilige, "wie sollte ich nicht weinen? Ich sehe in Deinem schönen Paradiese Auserwählte aus allen Orden, nur von meinen Kindern ist keines zu erblicken."
"Willst Du Deinen Orden sehen?" fragte Jesus den betrübten Heiligen.
"O Herr, das wäre mein sehnlichster Wunsch." entgegnete dieser.
Da berührte der Heiland die Schulter seiner reinsten Mutter, warf einen Blick innigster Liebe auf Dominikus und sprach: "Dein Orden ist der Obhut meiner Mutter anvertraut. Verlangst Du ihn wirklich zu sehen?"
"O gewiß, mein Herr!" bat der Heilige zum zweitenmale.
Nun breitete die liebe Mutter Gottes ihren königlichen Mantel aus, der sich weiter und weiter ausdehnte, bis er die ganze Unermeßlichkeit des Himmels umspannte. Wie einst Abraham mit prophetischem Blicke die ihm verheißene Nachkommenschaft, so schaute jetzt der hl. Ordensstifter die unzählige Schar seiner Söhne und Töchter, wohlgeborgen unter dem Schutzmantel Mariens. Da ward sein Herz von seliger Wonne erfüllt. Er sah den hl. Thomas, den Engel der Schule, den Fürsten unter den Gottesgelehrten, Vinzentius Ferrerius, den unvergleichlichen Wundertäter, Pius V., den hl. Papst, der mit dem Rosenkranz der bedrängten Christenheit zu Hilfe kam, als sie in der Schlacht von Lepanto gegen die Türken stritt. Da stand auch Petrus, der Märtyrer und alle seine Brüder, die wie er gewürdigt wurden, ihr Blut für Christum hinzugeben. In unbeschreiblicher Anmut, wie eine Pflanzung von Lilien und Rosen bargen sich auch Jungfrauen unter dem blauen Mantel Mariens: Katharina von Siena, Rosa von Lima, Agnes von Montepulciano und viele, viele andere.
Mannigfaltig, wie die Zier eines wohlgepflegten Gartens, war das Bild, das sich vor dem staunenden Auge des Heiligen entrollte. Und wie in einem Garten neben hohen Akazien und mächtigen Linden zarte Sträucher und Blumen stehen, so fand sich auch hier neben den Aposteln und Lehrern, neben den strengen Meistern der Buße ein Plätzchen für die Kleinen, ja selbst die Allerkleinsten. Angetan mit dem weißen Kleide und Skapuliere des Dominikanerordens, stand ein 12jähriges Mädglein da, dessen Haupt der Glorienschein der Heiligkeit umgab. Es war die selige Imelda, die den lichten Schmuck ihrer ersten hl. Kommunion in seiner ganzen Frische und Zartheit mit in den Himmel genommen hatte.
Ich glaube, meine jungen Leser begreifen nun, warum ich ihnen das Gesicht des hl. Dominikus erzählt habe. Ich wollte Euch, liebe Kinder, die kleine Heilige zeigen, die Eure besondere Patronin ist. Ihr habt gewiß schon manchmal von Heiligen gehört, die eine bestimmte Klasse von Schutzbefohlenen haben. So ist z.B. der hl. Joseph der Schirmherr der Arbeiter und Handwerker, St. Aloysius jener der heranwachsenden Jugend, die heilige Zitta und Nothburga werden besonders von den Dienstboten angerufen und unter den Schutzmantel des hl. Thomas von Aquin stellen sich gerne die jungen Leute, die dem Studium der Wissenschaft obliegen.
An Euch, liebe kleine Erstkommunikanten, hat die hl. Kirche auch gedacht. Durch den Mund des großen Papstes Leo XIII. übergab sie Euch der besonderen Obhut der lieben hl. Imelda, deren eben wir Euch in den folgenden Blättern erzählen werden. Ja, der hl. Vater hat sogar eine eigene Bruderschaft für Euch gestiftet, deren Patronin diese liebliche Heilige ist, und erwünscht sehnlich, daß alle Kinder, die sich auf den großen Tag der ersten hl. Kommunion vorbereiten, sich in dieselbe aufnehmen lassen. Das hat er getan aus Liebe für Euch, Kinder, weil er gleich dem göttlichen Heiland ein guter Hirt war, der mit besonderer Sorgfalt die kleinsten Lämmlein seiner Herde hütete. Er wußte, wieviel davon abhängt, daß ein Kind seine erste hl. Kommunion würdig empfängt. Er wußte aber auch, daß der böse Feind sich eifrig bemüht, gerade die Kinderseelen dem Herzen Jesu zu entreißen. Darum sandte er Euch eine Beschützerin, eine kleine Lehrmeisterin. Sie ist ein Kind wie Ihr und doch schon eine Ordensperson.
In jener Zeit waren die Kirchengesetze, welche gegenwärtig das Alter von mindestens 15 Jahren für den Eintritt in ein Noviziat feststellen, noch nicht erlassen. Selbstverständlich waren aber auch damals schon Gelübde auf Lebensdauer einem reiferen Alter vorbehalten. Zudem stand es den Kindern jederzeit frei, in die Welt zurückzukehren, wenn sie keine Neigung und keinen Beruf zum Ordenstand in sich verspürten. Jeder Zwang in dieser Beziehung war durch die Kirche strengstens verboten.
Der Dominikanerorden, dem die kleine Imelda angehörte, wird auch Predigerorden genannt und hat die Aufgabe, das Wort Gottes überall zu verkünden. Deshalb finden wir auch die geisltichen Söhne und Töchter des hl. Dominikus in der ganzen Welt, ja selbst unter den wilden Völkern als Boten des Evangeliums zerstreut.

 

II. Von den Eltern und Verwandten der seligen Imelda

Laßt uns jetzt ein wenig in der Familie Umschau halten, welcher Eure liebe, kleine Patronin angehörte.
In Bologna im schönen Italien, das wie Ihr wißt, auch das Vaterland des hl. Aloysius war, lebte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts das mächtige Adelsgeschlecht der Grafen von Lambertini, aus dem nebst vielen tapfern Rittern auch ein berühmter Papst, Benedikt XIV., hervorgegangen ist. Das Haupt desselben war damals Egano Lambertini, der nicht bloß bedeutende Güter besaß, sondern auch wegen seiner Tapferkeit die wichtigsten Stellen bekleidete. So finden wir ihn bald als Statthalter von Perugia, bald als Gesandten in Venedig und zuletzt als Befehlshaber der Burgfeste Ocellino. In all diesen Stellen erwarb sich der Edelmann die größte Achtung durch die Lauterkeit seines Charakters, seine Gerechtigkeit und Unbestechlichkeit. Sein Ansehen war so groß, dass sogar Münzen mit seinem Bilde geprägt wurden, deren Umschrift die Menschenfreundlichkeit des Grafen rühmte. In der Tat besaß der ritterliche Herr nicht bloß einen wackeren Degen, sondern auch einen bedeutenden Scharfsinn und eines der besten, edelsten Herzen.
Den Armen, Kleinen und Bedrückten war er mit dem zärtlichsten Mitleide zugetan und trat, wo er konnte, als deren Anwalt und Beschützer auf. Eine besondere Vorliebe schenkte er jenen, die das Wort des göttlichen Heilandes: "Selig sind die Armen," verstanden und alles um Gotteswillen verlassen hatten. Wenn meine kleinen Leser mit mir die Straßen Bolognas durchwandern könnten, so würde ich sie in die alten Klöster der Karmeliter, Dominikaner und Franziskaner führen. In den dortigen Archiven befinden sich heute noch uralte Chroniken, in welchen wir schöne Züge von der Freigebigkeit des edlen Grafen lesen. Die Mönche versprachen dafür dem frommen Geber einen Anteil an all ihren guten Werken, Gebeten und Bußübungen und Egano Lambertini seinerseits schätzte sich glücklich, für die vergänglichen Güter dieser Welt Schätze für den Himmel zu gewinnen, die weder Rost noch Motten vertilgen. So war der Mann beschaffen, dem Gott die kleine Imelda zur Tochter schenken wollte.
Seine Gemahlin hieß Castora Galluzzi. Auch sie gehörte einer alten, adeligen und, was noch viel besser ist, auch sehr frommen Familie an. Nicht auf dem Schlachtfelde, sondern auf dem friedlichen Gebiete der Wissenschaft wurden die Galluzzi berühmt. Einige von ihnen trugen mit Ehren den Doktorhut. Das Bistum Bologna verdankt ihrer Großmut die Gründung mehrerer Kirchen, unter andern auch die des hl. Johannes des Täufers, welche die Galluzzi dem Orden der Cölestiner schenkten. Noch im 17. Jahrhundert prangte das Familienwappen der mütterlichen Ahnen Imeldas auf einem Tore dieser Kirche.
Donna Castora, die Mutter unserer Heiligen, hatte die Mildtätigkeit und Frömmigkeit ihres Geschlechtes geerbt. Sie besaß eine rührende Andacht zu den armen Seelen im Fegefeuer. Um ihnen Hilfe zu verschaffen, beschenkte sie die Klöster, schmückte die Altäre und pflegte die Notdürftigen und Kranken.
Auch die übrigen Verwandten Imeldas waren von ausgezeichneter Frömmigkeit. Von den Brüdern der Gräfin gehörten zwei dem Ordensstande an. Der eine Napoleon Galluzzi, war Augustiner und gründete zwei Klöster; Egidius starb als Dominikaner im Jahre 1340. Gisela Galluzzi stiftete ein Franziskanerinnenkloster in Bologna, dem sie als Oberin vorstand. Ihre Liebe zur hl. Armut war so groß, daß sie eine reiche, ihr gemachte Schenkung des Grafen Lambertini ihren geistlichen Brüdern, den Söhnen des hl. Franziskus, überließ, damit diese ihr Kloster neu ausbauen konnten.
Ein Ehrenplatz in dieser Familie gebührt aber Donna Massima di Ramiero, Schwester des Grafen Lambertini. In früher Jugend hatte sie einen großen Hang zu weltlichen Vergnügungen an den Tag gelegt; sie liebte schöne Kleider, reichen Schmuck und glänzende Feste. Selbst der Tod ihres Gatten Ramiero brachte keine Sinnesänderung bei ihr hervor. Doch der liebe Gott erbarmte sich dieser Seele und gab ihr ein helles Licht über die Vergänglichkeit und Nichtigkeit aller irdischen Freuden. Donna Massima faßte nun den Entschluß, der Welt gänzlich Lebewohl zu sagen. Nicht zufrieden damit, selbst eine so große Gnade empfangen zu haben, wünschte sie auch, andere daran teilnehmen zu lassen. Sie sprach mit ihren Freundinnen und Bekannten von dem Glück, Gott allein anzugehören, und sprach so überzeugend, daß 49 der vornehmsten Damen Bolognas sich entschlossen, ihrem Beispiele zu folgen. Die Stadt überließ Donna Massima ein altes, unbewohntes Kloster neben der Pfarrkirche zum hl. Thomas, damit sie es mit ihren Gefährtinnen bewohnen könne. An einem Sonntage, dem 21. August 1324, bezogen die frommen Damen, geleitet von den höchsten Würdenträgern der Stadt, den Bruderschaften und einer Menge Leute aus allen Ständen ihr neues Heim. Dank ihrem Eifer wurde das alte, zerfallene Kloster eine Stätte heilger Andacht und in den Mauern, die so lange eine traurige Öde beschattet, vernahm man wieder fromme Gesänge. Unter der Leitung des Bischofs verfaßte Massima eine Regel für die Frauen, die sie dem Dienste Gottes gewonnen hatte. Sie selbst beobachtete alle Punkte derselben aufs genaueste. Namentlich ließ sie sich die Abtötung und den Bußeifer angelegen sein. Ihre kärgliche Nahrung bestand aus Almosengaben. In dieser Bußstrenge verharrte sie in heiliger Fröhlichkeit bis zu ihrem Tode, der im Jahre 1344 erfolgte. Die Annalen des Servitenordens geben ihr den Titel einer Seligen.
So fromm war die Familie, welche die Wiege unseres bevorzugten Kindes umgab. In ihrem Schoße erwartete Imelda nebst dem Glanze eines alten Namens und bedeutenden Reichtümern eine unstreitig noch kostbarere Mitgift: der unerschrockene Glaube eines edlen Ritters, die zarte Frömiigkeit einer christlichen Mutter, die weise Einsicht hervorragender Ordenleute und das Beispiel heroischer Tugenden.
Die glückliche kleine Erbin sollte nichts von all diesen Schätzen verlieren. Geschützt vor der Welt, aufwachsend in einem Lustkreise des übernatürlichen Lebens, entfaltete sich diese jungfräuliche Blume so duftig und anmutig, daß es uns nicht wundernehmen kann, wenn der Himmel die Erde um deren Schönheit beneidete.

 

III. Von der Geburt der sel. Imelda und von ihren ersten Lebensjahren

Ich muß nun meine jugendlichen Leser bitten, mit mir in den glänzenden Palast der Lambertini einzutreten, um das gottgesegnete Kind näher kennen zu lernen, von dem ich erzählen will.

Merkwürdiger Weise ist nur das Jahr seiner Geburt, nicht aber der Tag derselben bekannt. Es ging damit wie mit den Rosen, an deren Duft man sich erfreut, mit deren kostbarem Balsam man sich erquickt, ohne zu forschen, in welcher Stunde der Himmel sie der Erde geschenkt hat. Nach dem Zeugnisse gewichtiger Schriftsteller hat Imelda im Jahre 1322 das Licht der Welt erblickt.
Es war ein Freudenfest für die glücklichen Eltern. Wenn Gott den Menschen eine große Gnade schenken will, so läßt er sie nicht selten lange und inbrünstig darum beten. So hatte auch die Gräfin Lambertini geraume Zeit zur Königin des hl. Rosenkranzes gefleht, um ein Töchterlein zu erhalten. Man kann sich daher die Freude der frommen Dame vorstellen, als sie endlich das so heißbegehrte Unterpfand der Güte Mariens in ihren Armen hielt. Voll Dankbarkeit nahm die Gräfin häufig ihr Töchterlein auf den Schoß und sprach zur allerseligsten Jungfrau: "O meine Herrin, welch schönes Kindlein hast du mir geschenkt! Es soll dein eigen sein, nimm es an als ein Opfer meiner Liebe!" Wie groß wäre erst das Entzücken der glücklichen Mutter gewesen, hätte sie in die Zukunft schauen und den glänzenden Glorienschein sehen können, der einst das zarte Haupt ihres vielgeliebten Kindes umgeben sollte.
Die Kleine erhielt in der hl. Taufe den Namen Imelda. Einige Schriftsteller sind der Meinung, daß der Name Imelda von den lateinischen Worten eines Psalmenverses "Sicut mel data" - "wie Honig ausgegossen" - hergeleitet ist; andere erblicken darin die Zusammenstellung der lateinischen Worte: I (Geh) mel (Honig) da ( gib.) "Gehe hin und gib Honig!" wäre demnach der Sinn dieses lieblichen Namens. In dieser Bedeutung aufgefaßt müßte man ihn ebenso anmutig als prophetisch nennen.
Vielleicht war es der ehrwürdige Erzbischof von Kreta, Onkel unserer kleinen Heiligen, der ihr die hl. Taufe spendete. Er hatte ja auch einst die über ihre Kinderlosigkeit betrübte Mutter aufgefordert, sich an die Königin des hl. Rosenkranzes zu wenden.
Der Himmel schien sich förmlich zu beeilen, die kleine Imelda mit Gnaden zu überschütten, bevor noch deren Vernunft erwachte. Das Kind vermochte kaum einige Worte zu stammeln, als man schon Zeichen außergewöhnlicher Frömmigkeit an ihm bemerkte. Wenn es weinte, so brauchte man nur die heiligsten Namen Jesus und Maria auszusprechen, um ihm sogleich ein Lächeln abzugewinnen, während alle andern Versuche, es zu beschwichtigen erfolglos blieben. Man wird hier unwillkürlich an den großen Heiligen erinnert, dessen Ordensschwester unsere liebe Kleine zu werden bestimmt war. Wir meinen den hl. Thomas von Aquin. Seine Lebensbeschreiber berichten, er habe als kleines Kind einmal nach einem Stückchen Papier gegriffen und es so fest in seinem Händchen gehalten, daß er durch nichts zu bewegen war, diesselbe zu öffnen. Als seine Mutter endlich mit Gewalt seinen Finger auseinanderbog, fand sie, daß das Papier nichts enthielt als die Worte: "Ave Maria."
Es war ein rührendes Bild, wenn die kleine Imelda auf dem Schoße ihrer Mutter die ersten Gebete stammeln lernte, oder wenn sie ungesehen ihre Hände faltete und zum Himmel erhob. Mit welcher Freude mochten wohl die Engel auf dieses Kind blicken! Und wie tief mußte erst der Liebreiz seiner Unschuld an das Herz desjenigen greifen, der gesprochen: "Lasset die Kindlein zu mir kommen!"
Nirgends trat die Frömmigkeit unserer kleinen Heiligen deutlicher zu Tage als in der Kirche, wo sie unverwandt den Blick auf den Tabernakel richtete, während ein seliges Lächeln auf ihrem Gesichtchen lag. Sie schien schon die Größe jenes unaussprechlichen Schatzes zu begreifen, den die kleine, goldene Türe uns birgt und mit dem göttlichen Gefangenen der Liebe in trauliches Gespräch versenkt zu sein.
Doch wie leicht hätten so glückliche Anlagen unterdrückt, wie leicht hätte das Werk der Gnade im Herzen Imeldas zerstört werden können! War sie doch von Reichtum und Glanz umgeben und bald würden gewiß die Lockungen der Welt an ein Mägdlein herantreten, dem der Himmel nicht nur auserlesene Vorzüge des Geistes, sondern auch eine wunderbare Schönheit geschenkt hatte. Zum Glück war das leuchtende Beispiel der edlen Massima da, die alles verlassen hatte und mit einigen auserlesenen Edelfrauen auf dem rauhen Wege der Buße zum Himmel pilgerte. Und die Äbtissin Gisela, welche die Klöster zum hl. Ludwig und Alexis gegründet, war nicht auch sie eine beredte Predigt der Entsagung und Weltverachtung? Zu diesen hl. Tanten wurde die kleine Imelda öfter von ihrer Mutter geführt, die ihr Töchterchen mit um so größerer Sorgfalt vor dem Bösen hütete, da sie es bereits dem lieben Gott geweiht hatte. Den frommen Unterweisungen der Tanten fügte auch der Onkel, der dem Dominikanerorden angehörte, seine frommen Belehrungen hinzu. Mit stiller Freude beobachtete dieser das Wirken des hl. Geistes in dem unschuldigen Herzen seiner Nichte. Gerne beantwortete er ihre kindlichen Fragen, aus denen er die geheime Anziehung Jesu auf ihre Seele erkannte, deren einzigen Gedanken schon damals der göttliche Heiland ausmachte.
Im Gegensatze zu den meisten andern Kindern fand Imelda keinen Gefallen an Märchen und anderen nichtigen Erzählungen. Wollte man ihre Aufmerksamkeit fesseln, so mußte man ihr von Jesus erzählen. Sie hätte gleich dem hl. Bernhard sagen können: "Eure Gespräche haben keinen Reiz für mich, wenn der Name Jesus nicht darin vorkommt!" Immer wieder verlangte sie von Bethlehem und Nazareth zu hören, von dem Kinderfreund, der die Kleinen liebkost, von dem göttlichen Lehrmeister, zu dessen Füßen Maria Magdalena lauschend gesessen und das Wort vernommen hatte: "Sie hat den besten Teil erwählt, der ihr nicht wird genommen werden!" Und wenn man ihr sagte, daß dieser nämliche Jesus ihr zuliebe Tag und Nacht im Tabernakel weilte, dann schien das Herz Imeldas fast vor Liebe brechen zu wollen. Was sollte sie tun, um einer solchen Großmut zu entsprechen? Sie forschte nach, wie es die Heiligen gemacht, und brannte vor Begierde, deren Andacht und Strengheiten nachzuahmen.
Der frühreife Ernst ihres Wesens, der keineswegs den kindlichen Zauber ihrer Erscheinung und die Anmut ihres engelhaften Antlitzes beeinträchtigte, gewann ihr alle Herzen. Man freute sich, wenn die Kleine im Familienkreise erschien, und die Freunde des Hauses Lambertini fragten sich einander, was wohl aus diesem Kinde werden würde.
Doch Imelda entzog sich gerne der Bewunderung und den Liebkosungen, um die Einsamkeit aufzusuchen.
Im Palaste Lambertini befand sich ein abgelegener Betort, den das Töchterchen des Grafen mit eigenen Händen schmückte. Hierher flüchtete sie sich, um nach Herzenslust beten zu können. Hier wollen wir auch das gottbegnadete Kind belauschen. Wir sehen, wie der Rosenkranz zwischen den kleinen Fingern Imeldas gleitet, und wundern uns nicht darüber, da wir wissen, daß sie dieses Gebet schon auf dem Schoße ihrer frommen Mutter erlernt hatte. Was aber meine kleinen Leser überraschen wird, ist, daß Imelda schon im zarten Alter die Psalmen Davids betete.
In der Nähe des Hauses, in welchen ich mich befinde, wurde kürzlich, als die Vöglein schon längst schlafen gegangen waren, ein schönes Konzert gegeben. Unter dem Drucke kunstgeübter Hände gaben Klavier und Harmonium ihre vollen und reichen Akkorde, während eine Geige in wundervollen, fast seelischen Tönen die Arie sang. Wie zum Wetteifer angetrieben, begann urplötzlich auf dem nahestehenden Baume ein einziges Vöglein zu singen, so klar, so hell, daß sein Gesang ein Satz aus dem wundervollen Tonwerke zu sein schien, das dort zu Gehör gebracht wurde. An diese liebliche Szene werde ich erinnert, so oft ich die kleine Imelda beim Psalterbeten betrachte. Während die Seele ihrer Altersgenossen noch im Schlummer des kindlichen Unverstandes lag, gesellte sie sich in ihrem Gebete schon den Priestern und Mönchen der hl. Kirche zu, die ununterbrochen auf allen Punkten der Erde das Lob Gottes erklingen ließen. Die tiefe Sehnsucht, die sich in den Psalmen ausspricht, war gerade die Grundstimmung ihrer Seele. Volle Wahrheit waren in ihrem Munde, die Worte des königlichen Sängers: "Wie der Hirsch verlangt nach den Quellen lebendigen Wassers, so seufzt meine Seele nach Dir, o mein Gott!" (Psalm 41) "Ja, meine Seele dürstet nach Dir und mein Fleisch selbst verzehrt sich vor Sehnsucht!" (Psalm 62) "Wer gibt mir Flügel gleich der Taube, daß ich fliege und ausruhe?" (Psalm 54)

 

IV. Von Imeldas Sehnsucht nach dem Kloster

Wonach sehnte sich die Seele Imeldas so inbrünstig? werden meine jungen Leser vielleicht jetzt fragen.
Wenn ein Menschenkind in den schönsten Lebensjahren an den Vergnügungen und Lockungen der Welt keine Fraude findet, so ist dies ein untrügliches Zeichen, daß der Zug seines Herzens nach etwas Höherem geht. Mitten in das kindliche Spiel hinein ertönt oft leise eine geheimnisvolle Stimme, die ihm bald lieber und süßer wird, als alles, was es auf Erden kennt. So erging es auch unserer lieben Imelda.
Die Gröfin Lambertini war eine zu gute Mutter, um nicht zu erraten, was im Herzen ihres Kindes vorging, und eine zu vortreffliche Christin, um sich nicht darüber zu freuen, daß Maria ihr Opfer angenommen hatte. Ein Mutterherz ist aber anderseits auch wieder so zart, daß wir uns nicht wundern dürfen, wenn das der Gröfin vor einer so frühen Trennung erbebte. Imelda war erst 9 Jahre alt. In diesem Alter, wo der Verstand zu erwachen beginnt, wo das Herz mit voller Unbefangenheit sich erschließt, ist das Kind der Sonnenstrahl des Hauses. Wie liebenswürdig mußte erst unsere kleine Selige erscheinen, die alle Anmut der Kindheit besaß ohne deren Fehler und Mängel. Und von einem solchen Kinde sollte sich die gute Gräfin trennen! Ihr Töchterlein begehrte nichts Geringeres, als jetzt schon Nonne zu werden. "Sie ist noch viel zu jung,! sagte die Welt, und die Angehörigen des frommen Kindes sagten es mit ihr. Wahrscheinlich denken meine jungen Leser ebenso. Ich erinnere sie aber daran, daß in alten Zeiten ein so frühes Opfer seiner selbst durchaus nichts Ungewöhnliches war. So hatte man z.B. schon dem Nachfolger des hl. Dominikus, Jordanus von Sachsen, vorgeworfen, daß er es nicht verschmähe, unter die Ordensbrüder Kinder aufzunehmen, die noch nicht einmal im Stande seien, ein lateinisches Kirchengebet ohne Fehler abzulesen. Doch der selige Jordanus, der mit Recht den Beinamen "der mildeste Vater" erhielt, verteidigte die Kleinen wie einst sein göttlicher Meister es getan. "Hütet Euch," sprach er zu den älteren Brüdern, "diese Kinder zu verachten, die einst den Ruhm unseres Ordens ausmachen werden." Auch der hl. Ignatius dachte nicht anders, als er den 14jährigen Ribadeneira in seine Gesellschaft aufnahm und ihn trotz der Klagen, die dessen lärmendes Wesen und seine Kinderstreiche verursachten, darin behielt.
Um wieder zu den Dominikanern zurückzukehren, so lesen wir, daß im Jahre 1254 der selige Humbertus die Gelübde der 12jährigen Margareta von Ungarn entgegen nahm, die schon seit ihrer zartesten Kindheit das Ordensgewand getragen hatte.
Manche Geschichtsschreiber versichern, daß Imelda sich auf dieses Beispiel berufen und so die Zustimmung ihrer Eltern erlangt habe. So war es also entschieden. Imelda durfte ein Nönnchen werden. Die Welt machte wie gewöhnlich ihre Glossen und bedauerte, daß ein so reichbegabtes, junges Wesen, die Erbin eines berühmten Namens und unermeßlicher Reichtümer, den Aufenthalt in einem glänzenden Palaste mit dem eines strengen Klosters vertauschen wollte. Doch Imelda war größer als diese Welt und stärker als sie. Ihre reine Seele verlangte nach einem Leben des Gebetes und Stillschweigens, um sich ununterbrochen mit dem lieben Jesus unterhalten zu können. Immer schwebte auch das Bild eines Heiligen vor ihren Augen, der das weiße Gewand der Prediger trug, und ihr mit seiner Lilie zu winken schien; wir meinen den großen Stifter des Predigerordens, den hl. Dominikus. Ihm hatte Gott in der Tat die reine Kindesblüte zugedacht, die einen so süßen Duft spendete.

 

V. Wie die kleine Imelda ins Kloster kam und wie fromm sie darin lebte.

Die Stunde hatte nun geschlagen, in der Imelda Lambertini gleich einer schönen, von keinem Hauche der Welt berührten Blüte in den Garten klösterlicher Abgeschiedenheit verpflanzt werden sollte. Alles, was die Liebe ersinnen kann, um einem betrübten Mutterherzen die letzten Tage des Zusammenseins zu versüßen, das hatte Imelda getan. Zum letztenmale empfing sie den Segen und die Liebkosungen ihrer Mutter. Dann öffneten sich die Klosterpforten der Dominikanerinnen von Val di Pietra. Heiteren Antlitzes und ohne Zagen überschritt das Kind die Schwelle. Nun war es geschehen. . . . . Ihr sehnlichster Wunsch fand sich erfüllt; Imelda gehörte ganz Jesus an und Jesus gehörte Imelda.
Wenn die Menschen von einander Abschied nehmen für eine lange Zeit, so lassen sie gerne ein Bild des Scheidenden machen. So will auch ich meinen lieben Lesern ein Porträt ihrer kleinen Freundin geben.
Unter den vielen Blumen des lieben Gottes ist eine, die seit undenklicher Zeit als Sinnbild jungfräulicher Reinheit gilt. Einfach und königlich steht sie da, auf schlankem Stiele eine blendendweiße Krone tragend. Dieser Blume glich unsere Imelda. Sie war von schlanker, zarter Gestalt und größer als ihre Altersgenossinnen. Die Schönheit ihres Antlitzes hatte etwas Engelhaftes an sich. Wer sie sah, mußte an den Himmel denken und fühlte sich mit sanfter Gewalt zur Liebe Jesu hingezogen. Es war die liebliche Wirkung ihrer Unschuld.

O Kind, Deine Stirne ist blendend rein,
Du gleichest der Lilienblüte.
Der Herr betrachtet die Schöne Dein,
Die einzig für Ihn erblühte.

Dir könnte schaden der giftige Hauch
Der Welt, ihre glühenden Winde,
O komm, hier blühen die Blumen auch,
Doch wehen die Lüfte so linde !

O komm, hier fällt der sonnige Schein
Auf tauige Morgenauen, -
O komm und blühe im Rosenhain
Der wonnigen Lieben Frauen! -

So mögen wohl die Englein gesungen haben, die an der Klosterpforte des frommen Kindes harrten.

Zur Zeit, da Imelda den Schleier nahm, hatte die Einkleidung noch nicht jenes glanzvolle Gepränge, wie es heute an manchen Orten üblich ist. Sie fand nicht in der Kirche, sondern im Innern des Klosters statt und hatte so mehr den Charakter eines Familienfestes. Das tat aber keineswegs der Schönheit und Erhabenheit der Szene Eintrag. So sehen wir die jugendliche Imelda mit ausgebreiteten Armen zu Boden liegen, um die Aufnahme in den Orden zu begehren. Durch diese demütige Stellung gab sie zu erkennen, daß sie sich einer so hohen Gnade für unwürdig erachtete. Auf die Frage: "Was begehrst Du, meine Tochter?", antwortete sie mit jener hl. Inbrunst, die all ihr Tun kennzeichnete: "Gottes Gnade und Barmherzigkeit und die dieses hl. Ordens !" Nun wurde der kleinen Kandidatin ein Bild dessen entrollt, was ihrer im Kloster wartete: Die Armut mit ihrem Gefolge von Entbehrungen und Unbequemlichkeit, das grobe Gewand, die rauhe Liegerstätte, strenges Fasten, lange Nachtwachen, Gehorsam, Stillschweigen, Arbeit und vor allem das Brechen des eigenen Willens zu jeder Stunde und Minute des Tages. Selbst wackere Seelen erfaßt zuweilen ein Zagen und Zittern angesichts einer solchen Zukunft. Doch für Imelda war es gerade das, was sie ersehnte. Ein solches Leben hatte ja die größte Ähnlichkeit mit dem stillen, einsamen, gehorsamen Verweilen Jesu im Tabernakel. "Weit entfernt zu erschrecken." sagt uns ein alter Lebensbeschreiber, "erschien ihr vielmehr alles groß und erhaben; erhaben die Leiden, erhaben der Gehorsam, erhaben vor allem die Liebe." Ist es ja auch die Liebe, welche schon in dieser Welt jedes Opfer eingibt, aufrecht erhält und belohnt!
Imeldas Begeisterung war keine vorübergehende Aufwallung des Gefühles, sondern die Gesinnung einer Seele, die sich für das Leben zu schenken gedachte. Nun folgte der feierliche Moment, wo das heilige Ordenskleid der jungen Aspirantin angetan wurde. Meine lieben Leser müssen sich jetzt die kleine Imelda mit einem Gewande von weißer Wolle vorstellen, über das ein Skapulier von gleicher Farbe fällt. Das liebliche Gesicht des Kindes umrahmen nicht mehr die dunklen Locken, sondern ein weißer Schleier. Das Kleid wird von einem ledernen Riemen gegürtet, in welchen der Rosenkranz, das kostbare Erbe des hl. Dominikus geschlungen ist.
Als die Klosterfrauen, wie üblich, den Freuden- und Dankeshymnus anstimmten, und mit Tränen der Rührung die reine Stirne ihrer neuen, kleinen Ordensschwester küßten, da mischten sich wohl die Stimmen der himmlischen Geister in ihren Gesang. Schien die kleine Imelda doch selbst ein Engel an Reinheit und Gottesminne.
"Die Kutte macht noch nicht den Mönch," sagt ein alter Denkspruch, und es hätte der jungen Gräfin Lambertini wenig genutzt, das Kleid des hl. Dominikus zu tragen, wenn sie nicht den wahren Klostergeist besessen hätte. In welcher Fülle ihr aber letzterer zuteil geworden war, meldet uns einer ihrer Lebensbeschreiber: "Mit dem heil. Gewande hatte Imelda auch den Geist des christlichen Starkmutes empfangen, der es ihr vom ersten Tage an ermöglichte, die Strengheiten des klösterlichen Lebens zu üben. Der liebe Gott, der unerforschlich in Seinen Ratschlüssen ist, gefällt sich oft darin, gerade in den Kleinen und Schwachen Seine Macht zu offenbaren. So hatte der Herr auch beschlossen, aus diesem 9jährigen Novizlein ein Vorbild klösterlicher Vollkommenheit zu machen.

Imelda hörte getreulich auf die Stimme Gottes in ihrem Innern und befolgte mit hl. Freude, was die Ordensregel von ihr verlangte. Mit großmütigem Herzen überwand sie die Schwierigkeiten einer Lebensweise, die so verschieden war von den Gewohnheiten ihres väterlichen Hauses.
Ihren unschuldigen Leib behandelte sie mit größter Strenge. Gleich den übrigen Schwestern stand sie mitternachts auf, um dem Chorgebete obzuliegen, und erbaute jedermann durch ihre englische Andacht. Bei der Betrachtung war sie so in Gott versenkt, daß sie weder Augen noch Ohren hatte für das, was um sie vorging. Ein Geheimnis unseres hl. Glaubens war es vorzüglich, das all' ihre Gedanken fesselte: Die Liebe Jesu im hlst. Altarsakrament.
In ihrem väterlichen Hause hatte sie gerne den hilfsbedürftigen Almosen erteilt, jetzt gefiel sie sich darin, selbst arm zu sein und die Nahrung der Armen zu genießen.
Manches Weltkind wird vielleicht angesichts dieser Schilderung ungläubig lächeln oder wenigstens behaupten, daß wir übertreiben. Ein weltliches Herz begreift eben nicht, daß eine große Liebe Gottes wie ein gewaltiges Feuer ausbrechen und sich Luft schaffen muß. Bei allen Heiligen ist dies der Fall gewesen.
Die Kraft, die ihren Jahren mangelte, wurde Imelda durch die göttliche Liebe mitgeteilt; klein und schwach dem Alter nach, war sie doch groß durch die inbrünstige Gewalt ihrer Gottesminne. So dürfen wir uns denn nicht wundern, wenn wir lesen, daß sich selbst die ältesten Schwestern die kleine Novize zum Vorbild nahmen. Wenn Imelda züchtig und fröhlich durch die Klostergänge schritt, so genügte der bloße Anblick ihres weißen Schleiers, um die Herzen zu Gott zu erheben. Die liebliche Demut, Unbefangenheit, Einfalt und Reinheit ihres Wesens übte auf alle Schwestern eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Keine konnte sich jenem geheimnisvollen Eindrucke entziehen, den die reine Seele angesichts des Übernatürlichen empfindet. Mit heil. Scheu und Bewunderung blickten sie auf das begnadete Kind, das an die Engelserscheinungen gemahnte, mit denen Gott zuweilen jene beglückt, die hienieden schon das Leben der Engel führen.
Von der Frömmigkeit Imeldas werden manche rührende Züge erzählt. Wie ehemals im Palaste der Lambertini, so verstand sie es auch jetzt, sich eine Einsiedelei zu schaffen. Mit ihren kleinen Händen hatte sie sich an einem abgelegenen Orte des Klostergartens eine Art Kalvarienberg errichtet, wo sie über das Leiden des lieben Heilandes betrachtete. Nicht selten überraschten die Mitschwestern das Kind dort in Verzückung.
Unter den Heiligen Gottes hatte Imelda sich als besondere Schutzpatronin St. Agnes, die 13jährige Märtyrin, erkoren, die lieber den Tod erdulden, als dem Bräutigam  der Jungfrauen die gelobte Treue brechen wollte. Das heldenmütige Beispiel dieser kindlichen Jungfrau bestärkte Imelda in ihrem Opfermute. "Die süße Agnes." sprach sie zu sich selbst, "ist frohen Mutes auf den Richtplatz geeilt, um ihr unschudiges Haupt dem Henkerbeile darzubieten. So will auch ich zum Maryrium des klösterlichen Lebens eilen."
Ist denn das Klosterleben ein Marthyrium? werden meine jungen Leser fragen. In dem Sinne, wie die böse Welt dieses Wort zuweilen gebraucht, allerdings nicht; denn die Welt sieht in den Religiosen bedauernswerte Opfer einer überspannten Frömmigkeit. Im richtigen Sinne aufgefaßt, kann man jedoch sagen, daß das Klosterleben ein Martyrium sei, weil die Ordensperson sich gleich dem Märtyrer rückhaltlos mit Leib und Seele Gott schenkt. Wie der Glaubenszeuge sein Mut für Christus dahin gibt, so legt die Klosterfrau Tag für Tag ihren Willen auf den Opferaltar. Ihr Verdienst ist um so größer, je langwieriger und verborgener das Martyrium ist.

 

VI. Von Imeldas großer schmerzlicher Sehnsucht

Es gibt aber auch ein Martyrium der Sehnsucht und der Liebe und zu diesem war unsere liebe Kleine vorzugsweise berufen. Wenn sie unter den Vöglein zwitschern hörte, blieb sie zuweilen sinnend stehen: "Wer hat Dir, süße Nachtigall, Deine Stimme gegeben," fragte sie, "und ihr duftende Blümlein, wer hat Euch so glänzend gekleidet und so wohlriechend gemacht?" Dann kam ein wehmütiger, fast schmerzlicher Zug in das liebliche Kinderangesicht: "O, Ihr seid glücklicher als ich, Ihr dürft den Altar meines Jesus schmücken und zu Seinen Füßen sterben! O, wenn Ihr bei Ihm seid, sagt Ihm, daß ich Ihn liebe, daß ich sterbe vor Verlangen nach Ihm!"
Der Tabernakel war es immer, der den Mittelpunkt des Lebens für Imelda ausmachte. Von diesem Gefängnisse der Liebe war der milde geheimnisvolle Ruf ausgegangen, der das Kind, dem die Welt zulächelte ins Kloster gelockt hatte. Jesu zuliebe war auch sie eine Gefangene geworden. Gleich Ihm verlangte sie sich Tag und Nacht im Schweigen zu opfern. Nicht selten brachte Imelda die ganz Nacht bei Ihrem geliebten Jesus zu; die Stunden dünkten ihr nicht zu lange, sie mußte ja dem Heiland immer wieder sagen, wie sehr sie Ihn liebte.
Ohne es zu ahnen, leistete das Kind auf diese Weise Ersatz für die Kälte und Gleichgültigkeit unzähliger Herzen. Um das traurige Geheimnis des menschlichen Undanks gegenüber einer so unbegreiflichen Liebe wußte ihr Herz noch nichts und es war gut so, denn der Schmerz hätte es unfehlbar getötet.
Das hl. Meßopfer war für die kleine Novize zugleich eine Zeit der Freude und des Schmerzes. Wenn sie in die Beschauung des göttlichen Geheimnisses versenkt war, das sich auf dem Altare vollzog, wurde ihre Seele von den reinsten Wonnen überflutet. War aber der Augenblick gekommen, wo die Nonnen ihre Betstühle verließen, um zur hl. Kommunion zu gehen, so verursachte die Sehnsucht nach dem hl. Gastmahl zu dem sie wegen ihrer Jugend noch nicht zugelassen wurde, Imelda die bitterste Qual. Gleich ihrem hl. Vater Dominikus verriet sie die Inbrunst ihrer Seele durch heiße Seufzer und Tränen.
Zur Zeit der Erholung wurde das hl. Kind nicht müde, immer wieder seine Mitschwestern zu fragen: "Saget mir, wie ist es möglich, daß man Jesus in sein Herz aufnehmen könne, ohne zu sterben?"
Liebliche kleine Heilige! Du verstandest nichts von der Härte und Kälte unserer Herzen! Freilich wer Jesum liebt, wie Du es getan, der konnte nicht kommunizieren, ohne zu sterben! Denn "die Seele lebt mehr dort, wo sie liebt, als dort, wo sie lebt", sagt der hl. Augustin.

O süßer Lilienstern
In Jesu Minnegart',
Wie Deine Schönheit zart
Dünkt minnig unserm Herrn!

 

VII. Warum die kleine Imelda so lange auf die hl. Kommunion warten mußte.

Ungeteilt hatte Imelda sich dem göttlichen Heiland geschenkt, deshalb wünschte sie aber auch, daß Jesus ihr ganz angehöre. Zwei Jahre waren seit ihrem Eintritt ins Kloster verflossen.
Durch die wunderbare Frühreife ihrer Tugend war sie bereits ein Vorbild junger Ordensseelen geworden; doch Gott wollte auch eine Patronin der Erstkommunikanten aus ihr machen. Wie schon erwähnt, hatte die kleine Novize noch nicht das Glück gehabt zu kommunizieren.

"Sie ist noch zu jung," hieß es. Dasselbe hatte man bei ihrem Eintritte ins Kloster gesagt. Aber hatte sie denn nicht bewiesen, daß sie mehr Weisheit besaß als die Mehrzahl der Erwachsenen? Sie, welche die Eitelkeit der Welt so früh durchschaut und verachtet. Hatte ihre Jugend sie denn gehindert, die Höhen der Vollkommenheit zu ersteigen, die nur wackeren, im Kampfe geübten Seelen zugänglich sind?
"Sie ist noch zu jung!! Durch welches Wunder, möchte man weiter fragen, war es ihr gelungen, die Gnadenschätze zu verbergen, mit denen Gott sie überschüttete?
Wohl verstieß es gegen die Gebräuche der damaligen Zeit, vor dem 12. Jahre die hl. Kommunion zu gestatten. Arge Mißbräuche hatten den Bischof von Bologna gezwungen, in dieser Hinsicht strenge Vorschriften zu erlassen. Allein, was hatte man zu befürchten, wenn man Jesus auf die Lippen dieses engelreinen Kindes legte? Verdiente Imelda nicht, daß für sie eine Ausnahme von der Regel gemacht würde? "Doch wir dürfen das Vorgehen der geistlichen Obrigkeit nicht tadeln," sagt mit Recht ein Zeitgenosse unserer kleinen Seligen, der Dominikaner Granello. Wenn die Obern Imelda den Zutritt zum hl. Gastmahle verwehrten, so geschah es durch göttliche Zulassung. Das hl. Kind sollte als weiße Fahnenträgerin der jungen Ehrengarde des eucharistischen Gottes voranschreiten. Gott dachte in Seinem Herzen an die tausend und abermal tausend Erstkommunikanten, denen Er eine Fürsprecherin schenken wollte.
Wenn Jesus zum erstenmal in eine junge Seele eingeht, so verlangt Er nebst der Reinheit des Herzens eine glühende Sehnsucht. Das Kind, das seine eigene Schwäche erkennt und ein herzliches Vertrauen zur göttlichen Güte faßt, erweitert seine Seele und wird auf diese Weise fähiger, den unendlich großen Gott zu empfangen. Aus dem Vertrauen erwächst die Sehsucht. Die Sehnsucht ist aber gerade jene Stimmung, die der liebe Heiland am meisten verlangt. Darum geziemte es sich auch, daß Imelda als die künftige Patronin der Erstkommunikanten, sich in der Sehsucht übte und auszeichnete. Ihr Verlangen sollte wachsen und wachsen bis zur größtmöglichen Höhe. Wir begreifen nun, weshalb Gott dies begnadete Kind so lange an der Tür des eucharistischen Gastmahles warten ließ, ohne ihm Einlaß zu gestatten. Denn je länger die Sehnsucht ohne Befriedigung bleibt, desto glühender wird sie. Das erfuhr Imelda Tag für Tag beim hl. Meßopfer, wenn das Glöcklein die Nonnen an die Kommunionbank rief.

Ach, zum Tisch des Heilands wallen
Meine Schwestern still und fromm,
Keine, keine doch von allen
Spricht zu mir: "O Kindlein komm!"

Ich allein darf Ihn nicht nehmen
In der weißen Brotsgestalt;
Auf den Betstuhl niederrinnen
Meine Tränen mit Gewalt.

Warum ließt Ihr mich zurücke,
Ach, vom Durste ganz verzehrt?
Warum habt Ihr schon so lange
Meiner heißen Lieb gewehrt?

Und Er hat doch selbst gesprochen:
"Laßt die Kindlein bei mir sein!"
Und Er selbst ist klein geworden,
Daß Er ginge zu uns ein!

Wird Dein Herz sich nie erbarmen,
Süßer Jesus, meiner Not?
Warten heißt man mich und warten,
Und ich sterbe ohne Brot!

Doch ach, Jesus schien es nicht zu hören. Noch immer setzen jene, welche Seine Stelle bei Imelda vertraten, dem glühenden Verlangen der kleinen Novize das Wort des hl. Augustin entgegen: "Wachse und Du wirst mich genießen!"
Aber die Liebe ist ein gewaltiges Feuer, viele Wasser vermögen sie nicht zu löschen. Endlich mußte der Augenblick kommen, wo die Flammen der Sehnsucht so heftig schlugen, daß Jesus dem Verlangen seiner kleinen Braut nicht mehr widerstehen konnte.

 

VIII. Von der wunderbaren Erstkommunion der seligen Imelda.

Mittlerweile war die Vigilie von Christi Himmelfahrt gekommen, der 12. Mai 1333. Die Kirche beging schon die Vorfeier des großen Tages, an welchem sie einst der sichtbaren Gegenwart ihres göttlichen Stifters beraubt wurde. Mit erhöhter Inbrunst, so berichten uns alte Überlieferungen, wendete sich das liebende Herz Imeldas dem Tabernakel zu, wo derjenige unter Brotsgestalt verweilt, der das tröstliche Wort gesprochen: "Siehe, ich bleibe bei euch bis zum Ende der Welt!" Dringender als je bat sie ihre Vorgesetzten um die Gunst, den Leib des Herrn empfangen zu dürfen. Doch vergebens. Trotz dieser Abweisung erfüllte eine unbegreifliche Zuversicht die Seele des frommen Kindes. Seit zwei Tagen klangen ihr aus den liturgischen Gebeten die trostvollsten Verheißungen entgegen. "Von Seinem hl. Tempel aus hat Gott mein Gebet erhört, Alleluja!" "Der Ruf, den ich zu Ihm gesendet, ist bis an Sein Herz gedrungen, Alleluja!" So sang die Kirche und Imelda sang es mit ihr. "Viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten," ermunterte sie der Apostel in der Epistel. All diese Worte waren brennende Pfeile in das seraphische Herz der Novize.

"Ja," sprach sie mit dem hl. Augustin, "es wird mein Erlöser kommen denn Er ist gut! Er wird mich erhören, denn Er ist voll Mitleid!"

"Nur ein Krümlein lass mich finden,
Herr von Deinem Abendmahl,
Daß verschmachtend ich nicht sterbe
In der übergroßen Qual."

Die Messe war bereits bis zur hl. Kommunion fortgeschritten. Die goldene Tabernakeltür hatte sich für die Schwestern geöffnet und dann wieder geschlossen! Und Imelda hoffte noch immer. War es denn nicht auch für sie gesprochen worden das tröstliche Wort, das sie nun gleich ihren Mitschwestern nach der Kommunion des Priesters sang: "Bittet und ihr werdet empfangen; suchet und ihr werdet finden; klopfet an und es wird euch aufgetan werden!"
Aber ach! nun ist alles vorüber. Die Kerzen flackern noch zum letztenmale auf; der Priester schreitet in die Sakristei. Die meisten Schwestern haben bereits das Chor verlassen um ihren Obliegenheiten nachzugehen. Sie tragen Jesum im Herzen, während ihre kleine Mitschwester noch auf den Knieen liegt - weinend, betend und  - hoffend.
Und siehe da, es geschieht ein großes Wunder! Himmlischer Glanz erfüllt das stille Chor, süßer Wohlgeruch dringt aus dem Heiligtum und ruft die Nonnen zurück, die es schon verlassen hatten. Sie eilen herbei und schauen das Unbegreifliche. Wie vom Himmel gesendet, schwebt eine weiße Hostie herab dem knieenden Kinde entgegen. Von einer süßen Ahnung erfaßt, erhebt Imelda das Haupt und erblickt das göttliche Brot, nach welchem ihre Seele so lange geschmachtet hat. Da ist Er also endlich, endlich gekommen. Er, den ihr Herz über alles und einzig liebt! Er hat endlich acht gehabt auf ihre Seufzer und Tränen. Die Hände gefaltet, das Auge mit unsagbarem Verlangen auf die heilige Hostie gerichtet, wie eine Blume, die sich zur Sonne wendet, so kniet Imelda noch immer da. Welche Wonne, aber auch welches Marthyrium! Er ist so nahe und sie kann Ihn nicht erreichen! Die heilige Hostie scheint von Engelshänden gehalten zu sein; der Lichtkreis, der von ihr ausgeht, umgibt das Kind wie mit einem Glorienschein. Heilige Furcht und unaussprechliche Rührung erfassen die Zeugen dieser himmlischen Szene.
Und Jesus wartet noch immer. O Herr, unvergleichlicher Freund, Bräutigam reiner Seelen, warum zögerst Du noch?
Der Herr wartet auf die Hand des Priesters. Nachdem Er durch ein Wunder bewiesen, daß Er wirklich und wesentlich in der Eucharistie zugegen sei, um mit unendlicher Liebe und unbegrenzter Macht jeden Seufzer unseres Herzens zu vernehmen, wollte Er uns noch eine zweite Lehre geben. Der Priester ist es, dem es zukommt, das Brot, das vom Himmel gekommen ist, auf unsere Lippen zu legen.
Der Priester wurde also gerufen; er bestätigte das Wunder und erkannte den deutlich ausgesprochenen Willen Gottes. Besser als irgend jemand wußte er ja um das glühende Verlangen Imeldas. Schnell bekleidete er sich mit den hl. Gewändern, die er eben erst abgelegt hatte, betrat das Chor und nahm die wunderbare Hostie auf die Patene. Nachdem er die kirchlichen Gebete verrichtet, reichte er dem Lieblinge Gottes die hl. Kommunion.
Als das selige Kind seinen Jesus empfangen hatte, kreuzte es die Arme über seinem weißen Skapuliere, schloß die Augen und ließ sanft das Haupt auf die Brust sinken. Jetzt konnte Imelda in Wahrheit sprechen: "Mein Geliebter ist mein und ich bin sein!"

"Ich habe Ihn gefunden, den meine Seele liebt, ich halte Ihn und werde Ihn nicht mehr entlassen."

Doch siehe! das leise Beben ihrer Lippen hat plötzlich aufgehört. ... Der glühende Ausdruck der Sehnsucht ist einem süßen Frieden gewichen; das kindliche Angesicht, das eben noch mit rosiger Glut übergossen schien, hat die bleiche Farbe der Lilie angenommen. Imelda scheint in süßen Schlummer versenkt. ...

Die Stunden fließen eilig dahin in dieser Liebesekstase. Wer kann sagen, was zwischen Jesus und dieser Kindesseele vor sich ging? Der Himmel allein könnte uns das Geheimnis verraten.

Lange betrachteten die Mitschwestern das selige Kind, das noch immer unbeweglich dakniete. Allmählich bemächtigte sich ihrer eine geheimnisvolle Ahnung; sie nähern sich Imelda, rufen und berühren sie, doch das Kind hört und fühlt nichts. Selbst das Zauberwort "Gehorsam", das man sonst nur auszusprechen brauchte, um sie augenblicklich aus der Ekstase zu sich zu rufen, hat zum erstenmale keine Macht mehr über die Novize.
Die Ahnung der Schwestern hatte sie nicht getäuscht. Imelda war tot! Das zarte Gefäß ihres Herzens war durch die Gewalt der Liebe zertrümmert worden. Gleich einer weißen Taube war die Seele, frei von den Banden, die sie bis jetzt zurückgehalten, zum Himmel geflogen, gestützt auf ihren Geliebten.

 

IX. Von den großen Ehren, die Imelda nach ihrem Tode zuteil wurden.

Als der Herr zum Himmel aufgefahren war, sahen ihm die Apostel lange nach. So möchten auch gewiß meine jungen Leser jetzt durch die goldenen Pforten der Ewigkeit blicken, um wenigstens auf einen Augenblick die unaussprchliche Wonne jener ersten Kommunion zu schauen, die nicht mehr enden sollte.

Doch wir können den Schleier nicht lüften, der die Herrlichkeit des Himmels verdeckt. Ein Trost ist uns aber geblieben. Die Ehren, mit welchen das liebliche Kind ausgezeichnet wurde, sind ein Widerschein seiner himmlischen Glorie. Auch die Wunder, die auf ihre Fürbitte erfolgten, geben meinen jungen Lesern die tröstliche Gewißheit, daß droben im Paradiese eine Beschützerin über sie wacht.
Der übernatürliche Duft und Glanz, der das Betchor der Klosterfrauen beim Erscheinen der hl. Hostie erfüllt hatte, drang durch die Gitter und erfaßte das in der Kirche anwesende Volk mit frommer Rührung. Bald sprach man in ganz Bologna von der wunderbaren Kommunion und dem Tod der jungen Novize. Die Glocken, welche den Himmelfahrtstag einläuteten, schienen zu Ehren des Gnadenkindes zu erklingen, das Jesus selbst der Erde entrissen hatte. Alles strömte zum Kloster herbei, um die kleine Erstkommunikantin zu schauen, die so schön im Tode dalag. Tränen standen in aller Augen, Tränen der Andacht und der Rührung. Schon begann das Volk die Fürbitte Imeldas anzurufen.
Neben der entseelten Hülle seines Kindes stand der edle Graf Lambertini mit gebrochenem und doch überseligem Herzen. In seinem Glauben hatte der Edelmann die Kraft gefunden, die Augen seiner Tochter zu schließen und den letzten Kuß auf die reine Stirne zu drücken, die jetzt schon von einem Heiligenscheine umgeben schien.
Die Nonnen legten die jungfräuliche Hülle Imeldas in einen Schrein von weißem Marmor. Die kleine Liebhaberin des eucharistischen Gottes sollte nicht von ihrem Bräutigam getrennt werden. Nicht auf dem Friedhof ward ihr die letzte Ruhestätte bereitet, sondern in der Kirche nicht weit von dem Tabernakel, zu dem sie so oft ihre glühenden Seufzer gesandt.
Später wurde über dieser Ruhestätte ein schönes Denkmal errichtet. Die Decke desselben trugen 4 Säulen, auf denen der göttliche Heiland, seine hlst. Mutter, der Lieblingsjünger und die hl. Maria Magdalena abgebildet waren. Im Hintergrunde erblickte man die selige Imelda in kniender Stellung, angetan mit dem weißen Gewande der Dominikanerinnen, wie sie im Begriffe steht, angesichts der staunenden Klostergemeinde die hl. Hostie zu empfangen. Eine Inschrift auf weißem Marmor berichtete den wunderbaren Vorgang ihrer ersten hl. Kommunion und ihres seligen Todes.
Damit noch nicht zufrieden, wollten die Nonnen von Val-di-Pietra das Andenken ihrer kleinen Mitschwester noch durch ein besonderes Fest ehren, das sie jährlich am 12. Mai, dem Jahrestage des Wunders, begingen. Imeldas Name wurde in das Verzeichnis der Heiligen und Seligen ihres Ordens eingetragen und ihr Andenken in Liedern und Gebeten gefeiert.
Zweihundert Jahre lang blieb die Selige in ihrer hl. Ruhestätte, behütet, besucht und angerufen von den frommen Klosterfrauen, die sich glücklich schätzten, ihre geliebte Schwester in ihrer Mitte zu besitzen. -
In allen Nöten nahmen sie ihre Zuflucht zu dem süßen Kind, das so kurz gelebt und doch so lange nicht vergessen werden konnte. Die alten Schwestern erzählten den Neueintretenden von Imelda und diese wieder den Nachkommenden. So pflanzte sich der Tugendduft des hl. Kindes von einer Generation zur andern fort. Gott selbst sorgte durch zahlreiche Wunder dafür, daß Imeldas Andenken nicht vergessen wurde. Doch die Verehrung der Braut der Eucharistie bleib nicht auf das Kloster beschränkt. Das Volk begeisterte sich für die kleine Dominikanerin und bald wurde ihre Grabstätte zu einem besuchten, durch viele Wunder ausgezeichneten Wallfahrtsorte.
Es ist begreiflich, daß die Klosterfrauen an einem Hause hingen, in welchem sie einen so großen Schatz bewahrten. Die häufigen Kriege, die im 16. Jahrhunderte Italien beunruhigten, machten jedoch ein Kloster, das außerhalb der Mauern Bolognas lag, zu einem unsicheren Aufenthalte. Nur zu oft mußten die frommen Bewohnerinnen ihr hl. Asyl verlassen, um vor heranziehendem Kriegsvolke in die Stadt zu flüchten. Diese fortwährenden Störungen der klösterlichen Abgeschiedenheit bewogen Papst Pius V., der selbst dem Dominikanerorden angehörte, Abhilfe zu schaffen. Er erließ ein Breve in welchem den Schwestern von Val-di-Pietra befohlen wurde, ihren Aufenthalt mit dem der Serviten-Patres zu vertauschen, die innerhalb der Mauern Bolognas ein Kloster besaßen. Mit schwerem Herzen schieden die Nonnen von ihrem Hause, an welches sie so süße Erinnerungen fesselten. In ihrer Betrübnis und Verwirrung wagten sie es nicht einmal den Leib der seligen Imelda mitzunehmen. Sechzahn lange Jahre bleiben sie desselben beraubt. Durch ihre anhaltenden Bitten gerührt, befahl endlich der Kardinal Paleotti, der damals den erzbischöflichen Stuhl von Bologna inne hatte, daß der hl. Leib den Dominikanerinnen zurückgegeben werde. Die Feierlichkeit, mit der die Übertragung desselben vorgenommen wurde, beweist, wie groß die Andacht das Prälaten und die Begeisterung des Volkes für unsere Selige waren. Eine eigene Kommission war zu diesem Zwecke gebildet worden. Grafen und Senatoren rechneten es sich zur Ehre derselben anzugehören und die berühmtesten Gelehrten der Universität boten ihre Mithilfe an. Auch ein Sprosse der Familie Imeldas war Mitglied der Kommission. Am 24. Februar 1582 wurde das Grab eröffnet. Die heil. Gebeine wurden ärztlich geprüft, zusammengefügt, mit Gold und Seide bekleidet und mit großen Freuden und Ehren in das neue Kloster der Dominikanerinnen übertragen. Hier legte man dieselben in einen neuen, aus vergoldetem Holze gefertigten Schrein, der mit zwei verschiedenen Schlüsseln geschlossen wurde. Den einen verwahrete die Priorin des Konventes, den andern eine ausdrücklich mit der Wache des hl. Schatzes betraute Schwester. Zu dem jährlichen Feste des 12. Mai, von dem wir schon erzählten, fügten die Klosterfrauen ein zweites hinzu, um das Andenken Imeldas zu verherrlichen. Jedes Jahr am 24. Februar, als am Jahrestage der Übertragung des hl. Leibes, sangen sie zu Ehren ihrer lieblichen Beschützerin die im Anhang befindliche Antiphon, mit dem Kirchengebet. (Siehe Seite 92.)
Glücklich wieder im Besitze ihres hl. Schatzes, bewahrten ihn die Dominikanerinnen mit eifersüchtiger Sorgfalt. Als im Jahre 1752 der Erzbischof von Bologna neuerdings eine Untersuchung anordnete, konnten nebst der Priorin Th. Baraldi und Schwester Livia Brusi, amtliche Wächterin des hl. Leibes, noch fünf der ältesten Schwestern unter dem Eide die Echtheit der Reliquien und der durch dieselben erlangten Wunder bezeugen.
Das alles genügte indes dem Eifer der Dominikanerinnen für ihre kleine Mitschwester noch nicht. Schon 1599 hatte die Priorin, Mutter Nocolosa Lupari die kirchliche Erlaubnis eingeholt, die Reliquein zur Verehrung der Gläubigen ausstellen zu dürfen. Es lebte damals noch der Erzbischof Paleotti, derselbe, der die Übertragung des hl. Leibes veranlaßt hatte. Mit größter Freude willfahrte er dem frommen Verlangen der Nonnen und infolge seiner Erlaubnis konnte das Volk von Bologna nun regelmäßig an bestimmten Tagen die Reliquien seiner lieblichen Fürsprecherin verehren.
Es läßt sich denken, daß auch die Familie Lambertini nicht zurückblieb, als es sich um die Verherrlichung des begnadeten Kindes handelte, das einen so reinen Glanz auf ihren alten Namen warf. Schon anläßlich der Übertragung hatte Graf Julius Cäsar Lambertini den Wunsch ausgesprochen, dereinst seine Ruhestätte neben dem Grabe seiner kleinen Verwandten zu finden. Er befahl in seinem Testamente, daß auf seine Kosten im Kloster der Dominikanerinnen eine Kapelle erbaut werde, unter dem Titel "Mariä Verkündigung." Dieses Heiligtum sollte den Leib Imeldas aufnehmen. Außerdem setzte er eine jährliche Rente fest, damit täglich am Altare, auf welchem die irdischen Überreste Imeldas ruhten, eine hl. Messe gelesen werde. Am Fuße dieses Altares hatte der Edelmann seine Grabstätte aushauen lassen.
Den Lambertini verdanken wir auch den Bericht über die ersten Lebenstage Imeldas. Wahrscheinlich ist die älteste Lebensbeschreibung der Seligen Sassoferrato, einem Ordensmann, auf Bitten der gräflichen Familie entstanden.
Um das Jahr 1625 war ein Lambertini Senator von Antwerpen. Anläßlich einer Romreise kam er auf der Heimfahrt auch nach Bologna, um die selige Imelda zu verehren. Hier wurde er mit der oben erwähnten Lebensbeschreibung bekannt, die ihn so entzückte, daß er sie mit nach Belgien nahm und sie dort zur Erbauung der jungen Studenten drucken ließ. Das Büchlein wurde mit wahrer Begeisterung aufgenommen. Der Senator Lambertini war in Antwerpen allgemein beliebt; seine kleine Verwandte wurde es noch mehr. Angesichts einer so lieblichen und poetischen Erscheinung begannen alle Dicherharfen zu ertönen. Auf lateinisch und griechisch, in allen Sprachen feierte man die Gnaden ihrer Kindheit, ihre frühe Liebe zu Jesus, ihre Sehnsucht nach der hl. Kommunion, ihren hl. Tod. Selbst die Wunder welche Gott durch sie wirkte, gaben den Dichtern immer neuen Stoff zu ihren Liedern.
In Italien hatte die Kunst sich schon frühzeitig in den Dienst der seligen Imelda gestellt. Musik und Malerei feierten sie wetteifernd in den zartesten Tönen. Berühmte Gelehrte riefen den Schutz des hl. Kindes an, das nichts gewußt hatte, als "Jesus", wenn sie an die Abfassung schwieriger philosophischer oder theologischer Werke schritten und gefielen sich darin, ihr dieselben öffentlich zu widmen. Zur Zeit der bischöflichen Untersuchung im Jahre 1725 wurden verschiedene Reliquien vom hl. Leibe Imeldas abgelöst. Die kleine Braut der Eucharistie sollte an mehreren Orten verweilen, gleich ihrem göttlichen Bräutigam. Die Familie Lambertini erhielt einen Armknochen und einen Teil der Rippen. Sämtliche Kirchen und Abteien, die sich auf den Lambertinischen Gütern befanden, wurden je mit einem Altar, einem Gemälde und einer Reliquie der Seligen beschenkt. Außer dem bisher genannten Kloster der Dominikanerinnen besaß der Orden des hl. Dominikus noch 8 Klöster in Bologna; 7 für Frauen und 1 für Männer. Alle diese Häuser verlangten einen Anteil an den heiligen Reliquien. Auch die Serviten von Val-di-Pietra machten ihre Ansprüche geltend. Sie hatten getreulich das Andenken der jungfräulichen Heiligen bewahrt, weshalb man ihre Bitte nicht abschlagen konnte. Gerade die Reliquien, welche die Serviten erhielten, wurden durch viele Wunder verherrlicht. So bezeugte die liebe Heilige ihre Dankbarkeit für das fromme Asyl von Val-di-Pietra, das ihre kurzen Wanderjahre beschattet hatte.
Zu dieser Zeit bestieg der Kardinal Prosper Lambertini den Bischofsitz von Bologna. Um seine kleine Verwandte zu ehren, ließ er die Kirche der Dominikanerinnen restaurieren und reichlich ausschmücken. Der Leib der kleinen Heiligen wurde in die schönste Kapelle gebracht und bald umgaben zahlreiche Votivtafeln den kunstvoll gearbeiteten Grabaltar. Ein anderer Lambertini, Graf Johann, ließ ein Feskogemälde im Kloster der Predigerbrüder zum hl. Nikolaus in Bologna herstellen, welches die selige Imelda darstellt.
Als der Kardinal Prosper Lambertini auf den päpstlichen Stuhl erhoben wurde, vergaß er des hl. Kindes nicht, auf dessen Fürsprache er so großes Vertrauen setzte.
Es ist ein rührendes Blatt in der Geschichte der Lambertini, auf welchem wir die höchte Majestät der Erde, den großen durch Wissenschaft und Tugend ausgezeichneten Papst Benedikt XIV:, sich auf die Heiligkeit eines Kindes stützen sehen. Die Tiara beugt sich vor der kleinen Erstkommunikantin.

Der Papst ließ das Bild Imeldas auf die Agnus Dei (Größere oder kleinere Wachsscheiben, welche von dem auf ihnen aufgedrückten Bilde des Lammes Gottes ihren Namen erhalten haben und vom Papste geweiht wurden.) abdrücken und die rührende Geschichte ihres Lebens in sein Werk über die Seligsprechung der Heiligen aufnehmen.

Mittlerweile hatte ein bedeutender Gelehrter, Flaminio Scarselli, damit begonnen, Daten über das Leben und die Verehrung der seligen Imelda zu sammeln. Seine Arbeit stellte nicht nur den Papst höchlich zufrieden, sondern war auch der Anlaß, daß der hl. Stuhl angegangen wurde, den eigentlichen Seligsprechungsprozeß Imeldas einzuleiten.

Diese Bitten fanden ein lebhaftes Echo im Herzen Benedikt's XIV.; doch die Stunde der höchsten Verherrlichung hatte für unsere kleine Selige noch nicht geschlagen. Einige Monate später ging die Seele des großen Papstes in den Himmel ein, um die kleine Erstkommunikantin zu begrüßen, die sein Schutzengel auf Erden gewesen und um deren jungfräuliches Haupt er so gerne den Glanz der feierlichen Seligsprechung gewoben hätte.

 

X. Wo sich heute die Reliquien der seligen Imelda befinden.

Die Schrecken und Verwüstungen der Revolution sind durch die alte lombardische Stadt Bologna gezogen; aber das Andenken des engelgleichen Kindes ist nicht verloren gegangen. Auch der Orden des hl. Dominikus hat Imelda gegenüber seine hl. Pflichten und Rechte nicht vergessen. Am 6. Mai 1826 ward der hl. Stuhl um ausdrückliche Bestätigung ihres Kultus ersucht, die schon am 16. September desselben Jahres gewährt wurde. Vier Tage später erklärte Leo XII. die kleine Dominikanerin "Selig" und gestattete ihrer religiösen Familie, sowie dem Bistum Bologna Messe und Offizium zu ihrer Ehre zu feiern.
Was die Reliquien Imeldas betrifft, so wollen wir hier die Feder zwei frommen Pilgern überlassen, welche in unsern Tagen die Freude gehabt haben, sie zu verehren: "Als ich mich im Jahre 188... nach Rom begab, erzählt ein ehrwürdiger Provinzial der Dominikaner, kam ich auch nach Bologna. Nachdem ich auf dem Grabe unseres hl. Stifters das hl. Meßopfer dargebracht, wünschte ich auch das der seligen Imelda zu besuchen. Einer unserer Patres begleitete mich zur Kirche St. Sigismund. Da ich mich darüber wunderte, daß das Kind des hl. Dominikus nicht inmitten der Seinigen ruhte, gab mein freundlicher Führer folgende Erklärung:
Zur Zeit der Besetzung Bolognas durch die Franzosen unter Bonaparte wurden Mönche und Ordensfrauen aus ihren Klöstern vertrieben, die Kirchen entweiht, Archive geplündert. So verschwanden viele Reliquien und kostbare Aktenstücke. Die Dominikanerinnen blieben von dem Sturme nicht verschont; doch waren sie gewitzter als ihre Vorgängerinnen in Val-di-Pietra. Sie retteten die kostbaren Überbleibsel ihres hl. Schwesterchens und wahrscheinlich verteilten sie dieselben unter sich. Viele von den ausgetriebenen Nonnen wurden von der Familie Malvezzi zu Bologna aufgenommen. Zum Lohne für ihre Liebe wurde diese edle Familie mit dem größten Teile der Reliquien beschenkt. Als der Friede wieder hergestellt worden war, ließen die Malvezzi das ihnen anvertraute Gut feierlich in die Kirche St. Sigismund übertragen, über welches sie das Patronatsrecht besaßen.

In der kleinen Kirche angekommen, beteten wir zuerst das heiligste Sakrament an, dann begaben wir uns zu der lieben, kleinen Heiligen. Hinter einem Gitter erblickt man in einem aus Gold und Krystall verfertigten Schreine die Gebeine der Heiligen, die mit künstlichen Blumen geschmückt sind. Über denselben befindet sich eine lebensgroße Wachsfigur der Seligen, so künstlich und geschmackvoll wie die Italiener allein es verstehen, das Wachs zu behandeln. Die kleine Heilige ist in liegender Stellung mit dem Gewande des hl. Dominikus abgebildet. Sie hat die Arme über dem Skapulier gekreuzt und scheint im Schlummer der Extase zu ruhen. Es ist ein entzückendes Bild, in das der Künstler sein ganzes Herz gelegt. Vor diesem Altare, in der Nähe dieser Reliquien läßt sichs gut beten. Ein köstlicher Wohlgruch erhöhte die weihevolle Stimmung und ich hätte mich keineswegs gewundert, wenn das engelgleiche Kind an dem Privilegium jener Heiligen teilgenommen hätte, deren irdischen Überresten ein übernatürlicher Duft entströmt. Es war im Dezember und Dunkel herrschte bereits in der Kirche; erst als ich mich erhob, erblickte ich große Blumensträuße, die mich daran erinnerten, daß die Sonne Italiens zu jeder Zeit Blüten spendet. Mir kam der Gedanke, Gott habe die Blumen vielleicht erschaffen, um die Tugenden seiner Heiligen zu versinnbilden...
Die Tertiarin aus dem Orden des Dominikus, aus deren Brief wir das folgende entnehmen, fand noch etwas Besseres als Blumen neben dem hl. Schreine, sie fand einen blühenden Kranz junger Herzen. "Ein Priester stand in der Kapelle, der den Katechismus einer Schar von Kindern erklärte, die sich auf ihre erste hl. Kommunion vorbereitete. ...
Wo ist das Kind, das nach der Lesung dieser Blätter nicht bei sich dächte: Könnte ich doch auch gleich den Kindern in der Kapelle zu Bologna meinen Kommunionunterricht unter dem Schutze der liebenswürdigen Heiligen erhalten!
Liebe Kinder, Ihr braucht die kleinen Landsleute Imeldas nicht zu beneiden! Von der Höhe des Himmels blickt die Schutzpatronin der Erstkommunikanten gütig auf alle herab, die sich auf den Empfang der hl. Kommunion vorbereiten. Ihr Blick verheißt Euch allen jene Gnaden, die der heil. Vater der Bruderschaft der ersten hl. Kommunion verliehen hat, und damit Ihr Euch dieser Bruderschaft anschließt, werden wir im folgenden Kapitel davon erzählen.

 

XI. Von der Bruderschaft für die lieben Erstkommunikanten.

Fast sechshundert Jahre sind seit der wundervollen Ekstase verflossen, welche Imelda der Erde entrissen hat. Die Welt spricht nicht mehr von der mächtigen Familie Lambertini. All die berühmten Helden, Grafen und Senatoren schlummern vergessen in ihren Gräbern und Grüften. Doch der zarteste und lieblichste Sprosse des alten Geschlechtes ist nicht der Vergessenheit anheimgefallen. Ein neuer Glanz umstrahlt heute das Antlitz der kleinen Dominikanerin.
Ein Bischof war es, der einst den Reliquien der seligen Imelda große Ehre zuteil werden ließ. Ein Bischof war es auch, der in unsern Tagen die kleine Selige zur Führerin und Fahnenträgerin der Erstkommunikanten erkor. Vielleicht wissen meine jungen Leser, welche Verfolgung heute die Kirche in Frankreich erleidet. Durch die Trennung der Kirche vom Staat, durch die Vertreibung der religiösen Orden ist die Jugend ihrer besten und weisesten Lehrer beraubt worden.
Satan freut sich seines Triumphes. Wer wird die Kleinen fortan auf den größten und wichtigsten Tag ihres Lebens vorbereiten? ....
Doch der liebe Gott, der so große Übel kommen sah, hat auch Vorsorge gegen dieselben getroffen. Ein französischer Bischof ist auf den glücklichen Gedanken verfallen, eine Bruderschaft zu Ehren der seligen Imelda zu errichten, in welcher die lieben Kleinen Vorbild, Schutz und Unterweisung finden. In Prouille, wo der Orden des hl. Dominikus seinen Anfang genommen, ist auch dise liebliche Bruderschaft entstanden. Sie hat rasche Fortschriftte gemacht. Die Kinder haben die Einladung ihrer kleinen Schutzpatronin vernommen und sind von allen Seiten herbeigeströmt, um sich unter ihr weißes Banner zu scharen. Der Segen ist nicht ausgeblieben. Katecheten, Eltern und Lehrer haben bezeugt, daß sie noch nie so eifrige und fromme Erstkommunikanten herangebildet haben, als die, welche sie unter den Schutz der seligen Imelda stellten.
Doch die Bruderschaft ist nicht auf die Erstkommunikanten beschränkt. Selbst diejenigen, die bereits ihre erste heilige Kommunion empfangen haben, sind davon nicht ausgeschlossen. Auch ihnen bietet sich die liebe Heilige als Führerin durchs Erdenleben an; denn sie ist nicht bloß die Patronin der ersten, sondern auch der letzten hl. Kommunion. Als Gegendienst verlangt sie von den Erwachsenen, daß sie eifrig für ihre Lieblinge, die Erstkommunikanten, beten und ihnen nach Kräften behülflich seien, würdig bereitet zum Tische des lieben Jesus zu kommen. Dazu bedarf es freilich vieler Gnaden; Imelda wird sie uns aber erbitten helfen. Sie ist nicht zufrieden damit, ihren Schützlingen die Fürbitte von tausend und tausend Mitgliedern zu verschaffen, sie hat noch größere Gnadenschätze für uns in Bereitschaft. Durch die Angliederung der Bruderschaft an den Orden des hl. Dominikus erhalten die Mitglieder Anteil an allen Verdiensteb und Gebeten der großen Dominikaner-Ordensfamilie. So ist ihnen ein schönes Plätzchen unter dem Schutzmantel Mariens eingeräumt, der alle Kinder des hl. Dominikus umspannt. Außerdem haben die Mitglieder noch Teil an den geistlichen Vorteilen, welche die Wohltäter der Basilika unserer lieben Frau von Prouille genießen. Diese sind:
1. Der täglich Rosenkranz, der von den Klosterfrauen zu Prouille gebetet wird.
2. Die hl. Messe, welche jeden Samstag für die lebenden und abgestorbenen Mitglieder gelesen wird. (Siehe Anhang.)

 

XII. Von dem Kloster zu Prouille, in welchem die Bruderschaft der seligen Imelda ihren Hauptsitz hat.

Da die Erzbruderschaft der seligen Imelda zuerst im Kloster von Prouille errichtet worden ist, so wollen wir hier in Kürze die Geschichte dieses alten Heiligtums erzählen.
Zur Zeit, als der hl. Dominikus an der Bekehrung der Albigenser in Südfrankreich arbeitete, bestand am Fuße des Berges, auf welchem sich die Stadt Fanjeaux erhebt, eine kleine Kapelle zu Ehren unserer lieben Frau, die ein berühmter Wallfahrtsort für die ganze Umgegend war.
Die Macht, mit welcher Dominikus das Wort Gottes verkündigte, die Heiligkeit seines Lebens, seine auffallenden Wunder führten viele Ketzer in den Schoß der hl. Kirche zurück. Unter diesen befanden sich auch neun adelige Damen von Fanjeaux. Nach einer Predigt des Heiligen warfen sie sich diesem zu Füßen und baten ihn inbrünstig, ihnen zu sagen, welche die wahre Religion sei.
"Fasset Mut," antwortete der Heilige, "der Herr will niemanden verloren gehen lassen und wird Euch zeigen, welchem Herrn Ihr bisher gedient habt." Mit Entsetzen sahen nun die Anhängerinnen der Sekte den Teufel unter scheußlicher Gestalt erscheinen, wutentbrannt und im Begriffe, sich auf sie zu stürzen. Von dem Gebete des hl. Dominikus überwunden, mußte Satan jedoch heulend die Kirche verlassen. Der Heilige wandte sich nun zu den Frauen: "Seht," sprach er, "welchem Herrn Ihr bisher gedient habt!"
Zitternd baten ihn die Damen, er möge sogleich ihre Abschwörung entgegennehmen, welchem Verlangen der Heilige auch anbetrachts ihres guten Willen willfahrte.
Um dem Unheile zu steuern, das die Ketzerei anrichtete, hatte Dominikus schon früher den Gedanken gefaßt, ein Kloster zu stiften, worin Töchter aus adeligem Stande, die sich zum jungfräulichen Leben berufen glaubten, ein sichers Obdach gegen die Verführungen der Welt und die Gewattätigkeit der Ketzer fänden. Jetzt schien ihm der Augenblick gekommen, diesen Plan auszuführen. Er verdoppelte seine Bußübungen und beschwor den Herrn unter Tränen, ihm den Ort zu bezeichnen, an welchem er das Kloster errichten sollte. Als er in der Nacht vor dem Feste der hl. Magdalena wieder inbrünstig dem Gebete oblag, erblickte er plätzlich eine glänzende Feuerkugel, die vom Himmel herabschwebte und sich über dem Heiligtum Unserer lieben Frau von Prouille niederließ. Da sich dieselbe Erscheinung in den folgenden Nächten wiederholte, erkannte der Diener Gottes den Fingerzeig von oben.
Durch die Freigebigkeit der Bischöfe von Toulouse und Osma, sowie der edlen Herrin von Prouille unterstützt, begab sich Dominikus sogleich ans Werk. Schon am 22. November 1206, am Feste der heil. Jungfrau und Martyrin Cäcilia, konnte er elf seiner geistlichen Töchter, unter denen sich die erwähnten neun adeligen Damen befanden, in das für sie eingerichtete Gebäude führen. Zur Priorin des Klosters wurde Wilhelmine Fanjeaux ernannt, die sich durch gründliche Tugend auszeichnete und 20 Jahre lang ihr Amt mit großer Umsicht verwaltete. Das kleine Heiligtum Unserer lieben Frau von Prouille wurde den Nonnen als Eigentum überlassen. Die Regel, welche Dominikus seinen Töchtern gab, war die des heil. Augustin, welcher er verschiedene Bestimmungen beifügte. Er selbst befliß sich, seine Töchter auf den Weg der Vollkommenheit zu führen. Durch ihre engelgleiche Andacht und ihren Bußeifer entsprachen diese ersten Dominikanerinnen so sehr den Unterweisungen ihres heiligen Stifters, daß sie wirksame Mithelfernnen an seinem Apostolate wurden.

Bald nach der Gründung des Klosters von Prouille schlossen sich mehrere eifrige Männer, welche teils dem geistlichen, teils dem ritterlichen Stand angehörten, dem hl. Dominikus an, um die Mühe des Apostolates mit ihm zu teilen. Zu Füßen Unserer lieben Frau von Prouille weihten sich die neuen Ordensleute durch ein feierliches Gelöbnis dem Herrn. Schon am folgenden Tage sandte der heil. Vater Dominikus seine Söhne, zwei und zwei, in die Welt hinaus, wie es einst Jesus mit seinen Jüngern getan, um überall das Wort Gottes zu verkünden. Ein Jahrzehnt später war aus dieser kleinen Schar von Brüdern eine über ganz Europa verbreitete Ordensfamilie geworden.

So kann also wirklich Prouille als die Wiege des Dominikanerordens bezeichnet werden.
Es blieb eine von Gott und Menschen gesegnete Stätte, die sich des Schutzes vieler Könige und des Besuches mehrerer Päpste erfreute.

Als im 18. Jahrhunderte die große französische Revolution ausbrach, schienen anfangs deren Söldlinge das altehrwürdige Kloster, dessen hohe mit fünfzehn Türmen versehene Mauer einem Rosenkranze gleich, die Töchter des hl. Dominikus umschlang, verschonen zu wollen. Allein es kam "ihre Stunde und die Macht der Finsternis". Auch Prouille sollte seinen Charfreitag erleben. Am 2. Oktober 1792 mußten die Dominikanerinnen den Revolutionsmännern weichen und ihr frommes Asyl verlassen. Die neuen Vandalen begannen ihr Zerstörungswerk. Dann lag das einstige Land des Segens und Gebets 60 Jahre lang brach. Doch es kam der Tag der Auferstehung. Das Werkzeug, dessen sich die Vorsehung bediente, war eine fromme Dame, die Gräfin Jurien de la Gravière. Durch die Ratschläge des berühmten Pater Lacordaire unterstützt, gesegnet und ermuntert durch Pius IX., begab sie sich entschlossen ans Werk. Allmählich erhob sich das Kloster aus seinen Ruinen. Als es vollendet war, meinten viele, es genüge, demselben eine Kapelle anzufügen; doch die edle Gründerin entgegnete: "Keine Kapelle, eine Basilika für unsern Herrn und seine hl. Mutter!"
Allein unerwartete Schicksalsschläge geboten dem Unternehmen der frommen Gräfin Einhalt. Überdies blieb das neuerbaute Kloster lange unbewohnt. Erst im Jahre 1880 verließen 9 Dominikanerinnen, an deren Spitze die Mutter Agnes von Jesu, ihr Kloster zu Nay in Béarn, um sich in Prouille niederzulassen. Ohne vielleicht daran zu denken, zahlte so das Kloster zu Nay, welches 200 Jahre zuvor von Prouille aus gegründet worden, seinem Mutterkloster eine alte Dankesschuld ab. So trieb denn der altehrwürdige Stamm wieder neue Blüten. Von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der Schwestern und der Geist, der sie beseelte, war derselbe, der einst die ersten Töchter des hl. Dominikus erfüllt hatte.
Doch neben dem aufblühenden Kloster stand die Basilika, kaum begonnen, unvollendet da. Der Bischof von Carcassonne, Mgr. Billard, beschloß das Riesenwerk wieder aufzunehmen. Leo XIII., der indes den Stuhl Petri bestiegen hatte, spendete dem Unternehmen seinen Segen und ein wahrhaft königliches Geldgeschenk. So unterstützte der Rosenkranzpapst die werdende Rosenkranzkirche.
Heute steht die herrliche Basilika in majestätischer Größe da, mit einem Kranze von 15 Kapellen, inmitten einer reizenden Umgebung. Zwar ist der innere Ausbau noch nicht vollendet, zum Teil aber ist die Kirche bereits für den Gottesdienst freigegeben.
Wie in Bologna soll die selige Imelda auch in dieser Kirche ihre Kapelle und ihren Altar erhalten. Schon jetzt erblickt man ihr liebliches Bild auf den noch unvollendeten Mauern.
Das ist die Geschichte des Heiligtums, in welchem die Erzbruderschaft für unsere lieben Erstkommunikanten errichtet ist.

 

Anhang

Andachtsübungen
zu Ehren der seligen Imelda.


A. Kirchengebete

in der hl. Messe und im Dominikanerbrevier.


Zur Kollekte.

Lasset und beten: O Herr Jesus Christus, der Du die selige Jungfrau Imelda mit dem Feuer Deiner Liebe verwundet, sie auf wunderbare Weise mit der unbefleckten Opferspeise genährt und zu Dir in Dein himmlisches Reich aufgenommen hast, verleihe uns durch ihre Fürbitte, daß wir uns Deinem heiligen Tische mit gleicher Liebesglut nahen und verlangen mögen, aufgelöst und bei Dir zu sein, der Du lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen.

Stillgebet.

Lasset und beten: Nimm an, o Herr, die Gaben, die wir Dir darbringen und um der Fürbitte und Verdienste der seligen Imelda willen ergieße in uns den Geist der Liebe, damit unsere Herzen, von den irdischen Neigungen losgeschält, in Dir gefestigt seien, der Du die Quelle der wahren Freuden bist. Amen.

Nach der hl. Kommunion.

Lasset uns beten: Gib, o Herr, daß die selige Jungfrau Imelda allezeit vor dem Throne Deiner Barmherzigkeit für uns bitte, auf daß, gleich wie sie nach Empfang der heilbringenden Hostie ihren Flug zur ewigen Glorie genommen hat, ebenso auch uns die Teilnahme an diesem erhabenen Geheimnisse in diesem Leben zur Abwaschung der Sünde, im Tode aber zum Übergang ins ewige Leben gereichen möge. Amen.

Antiphon.

O Imelda, glorreiche Jungfrau, Braut Jesu, kostbarer Edelstein unter den Jungfrauen, überhäuft mit himmlischen Gaben, höre die Bitten, welche wir vor Dir ausgießen. Erlange uns die Gnade, unter die himmlischen Chöre aufgenommen zu werden; unterstütze uns durch Deine Fürsprache in den Prüfungen, welche wir zu bestehen haben.
V Anmut ist ausgegossen über Deine Lippen!
R Darum hat Dich der Herr gesegnet in Ewigkeit!
Bitte für uns, o selige Imelda,
Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi!
Lasset uns beten!
Wir bitten Dich, o Herr, gewähre, daß die Fürsprache der seligen Imelda, Deiner Jungfrau, uns in jeder Trübsal beschütze, damit wir durch ihre Vermittlung verdienen, durch wahre Buße und aufrichtige Beichte vor unserem Absterben den hlst. Leib und das Blut unsers Herrn Jesu Christi zu empfangen. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen.
(Diese Antiphon mit Versikel und Gebet wurde zum Andenken an die am 24. Februar 1582 erfolgte Übertragung der Reliquien der sel. Imelda jedes Jahr am genannten Tage von den Dominikanerinnen von Val-di-Pietra am Grabe der Seligen gesungen. - Die vorstehende Antiphon steht unter einem im Jahre 1600 in Bologna hergestellten Kupferstich, der Imelda von Strahlenglanz umflossen, im Momente ihrer ersten und letzten hl. Kommunion darstellt.)

 

B. Bruderschaftsgebet.

Zunächst für die Kinder, die sich auf die erste hl. Kommunion vorbereiten.

Liebliche Beschützerin der christlichen Kindheit, selige Imelda, blicke zärtlich auf diese Kinder herab, welche im Gefühle ihrer Ohnmacht und von gutem Willen beseelt sich zu Deinen Füßen scharen.
Unser Herz hat eine gute Botschaft vernommen: "Noch eine kleine Weile und Jesus wird sich uns schenken!" Wir sollen Ihm in unserer Seele eine Wohnung bereiten. Der gute Jesus, den wir als Gast empfangen sollen, ist der Freund der Armen und der Bruder der Allerkleinsten. Er ist aber auch der Herr der Engel und der Seraphim und wir sind die Schwächsten Seiner Kreaturen; deshalb rufen wir zu Dir um Hilfe. Wir vertrauen Dir unsere Anliegen und übergeben unsere armen, kleinen Seelen in Deine Kinderhände. Durch die Inbrunst Deines Verlangens und die Reinheit Deines Herzens hast Du Jesum an Dich gezogen; gib auch uns eine solche Sehnsucht und eine solche Reinheit, gib uns Deine Einfalt und Deine Bescheidenheit, Deine Sanftmut, Deinen Gehorsam, Deine kindliche Inbrunst und Deine Ausdauer im Gebete. Stelle Du selbst uns Jesu vor. Mit dem Schmucke Deiner Tugenden und unter Deinem Schutze werden wir dem guten Meister gefallen und Sein göttliches Herz erfreuen. Du hast die Gnade erlangt, unverzüglich Jesum folgen zu dürfen. Erlange uns die vielleicht noch größere Gunst, Ihn in unserm Herzen zu bewahren, damit Er uns ein treuer Gefährte und sicherer Führer auf der irdischen Pilgerschaft sei und uns durch die Gefahren und Prüfungen des Lebens hindurch geleite und nach einem verdienstreichen Leben uns in die glückselige Ewigkeit einführe. Amen.

 

C. Gebete zur seligen Imelda
vor und nach der hl. Kommunion


Vor der hl. Kommunion.

I.

O selige Imelda, unsere liebliche Beschützerin, siehe uns an, die wir mit Bewunderung erfüllt, uns in gutem Willen zu Deinen Füßen geschart haben. Als Du noch ganz klein warst, erfüllte Dich schon die hl. Inbrunst der Liebe zu dem im Tabernakel verborgenen Jesus. Es war Deine Wonne, Ihm Deine Liebe und Hingebung auszudrücken; und Ihm dieselbe zu beweisen, warst du allezeit sanftmütig, demütig und gehorsam. In Dir war kein Zorn, keine Ausgelassenheit. Aber wir! .... O süße, kleine Schwester, wir haben keine Ähnlichkeit mit Dir! Du siehst, daß wir hartherzig, eigensinnig und halstarrig sind; unser Herz ist kalt, unser Geist zerstreut, wenn wir bei Jesus weilen, der uns so sehr liebt, und die schönsten Jahre unseres Lebens gehen in eitlen Nichtigkeiten dahin.
Erlange uns von Jesus ein wenig von jener Liebe, die Dich verzehrte, damit es unsere süßeste Freude sei, den göttlichen Heiland im hl. Sakramente zu besuchen. Amen.

II.

O selige Imelda, liebliches Blümlein, das sich den Strahlen der Eucharistischen Sonne öffnete. Dein süßer Wohlgeruch erfreut unser Herz und zieht es sanft zu Jesus hin. Mit Beschämung müssen wir bekennen, daß unser flatterhafter Geist mit tausend nichtigen Dingen beschäftigt ist, wenn wir zum Gebete niederknien und dies sogar am Fuße des Altars. Unsere Herzen sind dürr und trocken. ... O, erflehe Du uns den Tau des Himmels! Lehre uns Jesum lieben und Seine Liebe mit Gegenliebe vergelten, denn Er hat uns geliebt bis zum Tode des Kreuzes und hat sich aus Liebe zu uns im Tabernakel  zum Gefangenen gemacht, damit wir Ihn in unser Herz aufnehmen können. Amen.

III.

O duftendes Myrrhenbüschlein, liebeglühende Imelda! Durch den Wohlgeruch Deiner Sehnsucht und die siegreiche Macht Deines demügigen Vertrauens hast Du Jesum in Dein jugendliches Herz gezogen. In Dir hat Er Seine Wohnung aufgeschlagen.

Wir aber, ach, entfernen uns von diesem guten und lieben Meister. Unsere Sehnsucht nach Ihm ist lau und matt. Wenn wir beten, beweist die Kälte unseres Herzens, daß die Eitelkeiten der Welt mehr Raum in unserer Seele finden, als die Liebe zu Jesus.

O Du unser liebliches Vorbild, sieh gütig auf den guten Willen herab, der uns in diesem Augenblicke beseelt. Erlange uns die Gnade, Dir wahrhaft nachfolgen zu können. Bereite unsere Herzen auf den Genuß des Engelbrotes, erfülle uns mit Ehrfurcht und Andacht zu Jesus im hlst. Sakramente und hilf uns alles verachten, was Ihm mißfällig ist. Amen.

 

Nach der hl. Kommunion.

I.

O engelgleiche Patronin, selige Imelda, wie sollen wir dem Herrn würdig danksagen?! Wir sind so klein, so ohnmächtig. Du hast uns geholfen unsere Seelen zu bereiten, steh' uns auch jetzt noch mit Deiner Hilfe bei. Du bist so reich und anmutig in den Augen Jesu und vermagst viel über Sein Herz, ach, erflehe uns, daß die unaussprechliche Gabe, die wir heute empfangen haben, nicht mit Undank und Gleichgültigkeit unsererseits vergolten werde, sondern, daß unsere Herzen von dem Wunsche entbrennen, täglich mehr in der Liebe desjenigen zu wachsen, der uns zuerst geliebt hat. Amen.

II.

Selige, vielgeliebte Imelda, an der Jesus sein Wohlgefallen gefunden hat, wir möchten, daß der göttliche Heiland auch an uns Seine Freude haben könnte. Doch wir sind so zur Sünde geneigt, daß wir fürchten müssen, durch unsere Fehler den göttlichen Gast zu vertreiben. Bete also Du für uns, damit wir nicht in die Sünde zurückfallen, sondern täglich wachsen in der Reinheit des Herzens, in der Demut, Sanftmut, Andacht und im Gehorsam. Laß uns besonders zunehmen in der Liebe zum Heiland, der sich uns mit göttlicher Freigebigkeit im allerheiligsten Sakramente schenkt. Amen.

III.

Selige Imelda, an Liebe wetteifernd mit den Seraphim, wer wird Deine Wonne, Deine Liebe begreifen können in jenem Augenblicke, da Jesus sich Dir auf so wunderbare Weise schenkte? So groß war die Fülle der göttlichen Tröstungen, die Dein Herz überfluteten, daß es brechen mußte in unaussprechlichem Entzücken. So starbst Du wahrlich als ein seliges Opfer der Liebe. Doch Jesus ist auch in unser Herz eingegangen. Sein lieberfülltes Herz hat dicht an unserem Herzen geschlagen und unsere Seele hat Seine beglückende Nähe empfunden.
Was sollen wir tun, um einer solchen Gunst zu entsprechen und ein so kostbares Geschenk zu bewahren?
Liebreiche Beschützerin, erflehe uns, daß der hl. Geist, der Deine Seele mit Himmlischer Inbrunst entzündete, auch uns erleuchte und erwärme. -
O, möchte Er sich würdigen, in uns das Bildnis Jesu aufzudrücken und auszugestalten, damit das Andenken an die Wonnen dieses Tages allzeit in unsern Herzen lebendig bleibe. Amen.

 

Lied zur sel. Imelda

 


Dein Name, schön Imelda,
Ist uns wie Honig süß;
Er dringt in unsre Herzen
Wie Duft vom Paradies.

Refrain:

Imelda, süße Schwester;
Sei unsre Schützerin,
Von deiner Hand geleitet
Ziehn wir zum Himmel hin.


Du glichst der Lilienblume
In ihrem reinen Glanz;
Auf Deiner Stirne strahlte
Der Gnade lichter Kranz.

Dein Lieben und Dein Sehnen
Allstündlich immer war
Das weiße Brot gewandelt
Vom Priester am Altar.

Der Herr lohnt Dein Verlangen,
Ihm tut die Lieb' Gewalt:
Er schwebt zu Dir hernieder
In weißer Brotsgestalt.

Und als Du Ihn empfangen
In Deiner reinen Brust,
Da ist Dein Herz gebrochen
In süßer Himmelslust.

O schenk uns Deine Liebe,
Sei Du uns Führerin,
Und zieh all unser Sehnen
Zum süßen Heiland hin!

O unerhörte Wonne!
Es ladet groß und klein
Der Kinderfreund in Hulden
Zu Seinem Gastmahl ein.

Wir möchten wohl Dir gleichen,
Imelda, süßes Kind,
So rein, so fromm, so innig,
Maria treugesinnt.

O hilf uns Du behüten
Der Unschuld weißes Kleid,
Daß unverletzt wir's tragen
Im Erdenkampf und Streit.

Im Tode laß uns reichen
Das heil'ge Sakrament,
Daß wir dem Herrn lobsingen
Mit Dir einst ohne End'!

 

(Es folgen einige allgemein bekannte Kirchengebete vor und nach der hl. Kommunion z.B. vom hl. Thomas von Aquin, die hier aber nicht aufgeführt werden, da sie jederzeit im Schott, im Gotteslob oder auf entsprechenden Internetseiten aufgefunden werden können.)

 

Statuten der Erzbruderschaft

von der würdigen

ersten heiligen Kommunion und der Beharrlichkeit
unter dem Schutze

 

der seligen Imelda.

 

Jungfrau aus dem Orden des hl. Dominikus, errichtet in der Basilika Unserer L. Frau von Prouille.

 

Zweck.

Der Zweck, dieser Bruderschaft ist, den Kindern die Gnade einer würdigen, ersten heil. Kommunion, sowie die Beharrlichkeit in den Gesinnungen des großen Tages und in der Übung der religiösen Pflichten bis zum Tode zu erbitten.

 

Mitglieder.

Es können aufgenommen werden:
1. Kinder, welche sich zur ersten hl. Kommunion vorbereiten oder kurz vorher sie empfangen haben.
2. Alle frommen Personen, welche die Absicht haben, nach der Meinung der Erzbruderschaft zu beten.

 

Vorteile des Vereines.

Außer der Gnade des fortwährenden gemeinsamen Gebets erlangen die Mitglieder noch folgende geistigen Vorteile:

1. Es wird jeden Tag von den Ordensfrauen des hl. Dominicus in Prouille für sie ein Rosenkranz von fünfzehn Gesetzchen gebetet.
2. Wöchentlich einmal wird das Toten-Offizium für alle Mitglieder der Bruderschaft aufgeopfert.
3. Jeden Samstag wird eine hl. Messe für die lebenden und verstorbenen Mitglieder dieser Bruderschaft gelesen.
4. Außerdem werden die Mitglieder dieser Bruderschaft in den geistigen Verband des gesamten Dominikanerordens aufgenommen, wodurch sie an allen Gebeten und guten Werken dieses großen Ordens teilnehmen.

 

Ablässe.

Allen Mitgliedern dieser Erzbruderschaft wurde von S. H. Leo XIII. (Reskr. d. Abl.-Kongr. v. 10. Sept. 1895) ein vollkommender Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen an folgenden Tagen gewährt:
1. Am Tage ihrer ersten hl. Kommunion.
2. Alljährlich am Jahrestage derselben.
3. An den beiden Festen der sel. Imelda am 12. Mai (Todestag) und 16. September. (Ordensfest.)
4. In der Todesstunde, wenn sie die hl. Kommunion empfangen, oder im Falle der Unmöglichkeit, den heiligsten Namen Jesu mit dem Munde oder wenigstens im Herzen aussprechen und den Tod als Strafe und Buße für ihre Sünden annehmen.

 

Aufnahms-Bedingungen.

1. Einschreibung in das Bruderschaftsbuch.
2. Jedes Mitglied soll dem Morgen- und Abendgebet folgende Anrufungen beifügen: "Unserer L. F. von Prouille, Königin des hochheiligen Rosenkranzes, bitte für uns!" "Selige Imelda, Schutzpatronin aller Erstkommunikanten, bitte für uns!"
3. Spendung eines kleinen Almosens für den Aufnahmezettel zu Gunsten der Erzbruderschaft.
4. Feier der Feste der sel. Imelda, am 12. Mai und am 16. September, wenn möglich durch andächtigen Empfang der hl. Sakramente.
5. Da nicht nur Kinder, sondern auch Eltern und überhaupt Erwachsene der Bruderschaft angehören können, so ersuchen wir diese monatlich einmal die hl. Kommunion zu empfangen und nach der Meinung der Bruderschaft beten zu wollen.

Unter den Mitgliedern ist es gebräuchlich, die Medaille der sel. Imelda andächtig zu tragen.
In Pensionaten, Schulen und Patronaten wird diese Medaille von den Kindern, welche sich zur ersten hl. Kommunion vorbereiten, offen getragen.
Die Mitglieder beten jeden Tag ein Rosenkranzgesetzlein nach der Meinung der Erzbruderschaft; sie verrichten öfters die "geistliche Kommunion", d. h. sie erwecken das Verlangen, unsern Herrn im allerheiligsten Sakramente des Altares zu empfangen.

Obwohl diese frommen Übungen keine Verpflichtungen sind, so werden die Förderer und Förderinnen doch dringend gemahnt, sie besonders unter den Kindern zu verbreiten, da sie ein sehr wirksames Mittel zur Förderung der Beharrlichkeit sind und auf diese Weise dem Zwecke der Bruderschaft entsprechen.

Die Mitglieder und Förderer, welche Aufnahmsscheine wünschen, sollen ihre genaue Adresse (Vor- und Zunamen) dem Hochwürdigen Pater, Direktor der Erzbruderschaft zu Notre Dame de Prouille in Fanjeaux (Ande) in Frankreich senden.

Die Förderer und Förderinnen sollen:

1. Jedes Jahr Sorge tragen, daß die Kinder, welche sich auf die erste hl. Kommunion vorbereiten, in die Erzbruderschaft aufgenommen werden.
2. Die Namen und Gaben der Mitglieder an den Sitz der Erzbruderschaft schicken.
3. Sich, soweit es ihnen möglich ist, umsehen, daß die durch sie aufgenommenen Mitglieder die Verpflichtungen der Erzbruderschaft treu erfüllen.
4. Den Mitgliedern die hl. Kommunion jeden Monat und an den Festen des Vereins anraten.
5. Sich eifrig bemühen, die Andacht zum hl. Rosenkranze und zur sel. Imelda zu verbreiten, sowie Mitglieder für die Erzbruderschaft zu gewinnen.

In den Erziehungsanstalten sollen die zwei Anrufungen, die den Mitgliedern vorgeschrieben sind, einem der gemeinschaftlichen Gebete angefügt werden.

Die Hochwürdigen Herren Pfarrer in den Gemeinden und die Hochwürdigen Herren Hauskapläne in den Pensionaten sind eigentliche Förderer; sie können aber durch eine geistliche oder weltliche Person, deren Frömmigkeit, Klugheit und Eifer bekannt ist, vertreten werden.

_________________

 

Diese Statuten - wie schon der ganze Wortlaut besagt - sind zunächst für Prouille entworfen und genehmigt, wo die Bruderschaft ins Leben gerufen und am 7. Mai 1891 vom Carcassoner Bischof, Msgr. Felix Billard kanonisch errichtet wurde und zwar mit der Aggregationsvollmacht für Frankreich. Wir haben diese Statuten, die von mehreren französischen Bischöfen und seiner Zeit vom erzbischöflichen Ordinariate zu Wien (Z. 2255 v. 9. März 1901) approbiert wurden, auch in das deutsche Imeldabuch aufgenommen, um den Katecheten gleichsam eine Vorlage zu bieten, falls sie an ihre Ordinarien mit dem Gesuche um Errichtung derselben in ihren Diözesen herantreten wollten, da jeder Bischof die Vollmacht dazu besitzt. Selbstverständlich sind die Prouiller-Statuten außerhalb Frankreichs nicht bindend, sondern können, sofern der Hauptzweck der Bruderschaft gewahrt bleibt, vom betreffenden Diözesanbischof geändert werden.
Wir bemerken noch, daß die Dominikanerinnen von Gleißdorf (Steiermark) die Vermittlung behufs Aufnahme in die Bruderschaft, Medaillen, Bilder ec. bereitwilligst besorgen. In ihrem Pensionate besteht - mit bischöflicher Genehmigung - die Bruderschaft der seligen Imelda.

 

Finis.

Bilder aus dem Büchlein

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 03. April 2015 um 23:16 Uhr
 
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